Vor Monatsfrist hatte der Medienkolumnist Kurt W. Zimmermann in der «Weltwoche» geschrieben: «Es wird eine hübsche Überraschung, und Sie werden davon hören.» Diese Woche wurde das Geheimnis gelüftet: Die Medienvielfalt Holding (MVH) mit Mehrheitsaktionär Tito Tettamanti trennt sich von der «Basler Zeitung». Chefredaktor Markus Somm und Verlagsmanager Rolf Bollmann übernehmen je einen Drittel. Einen Drittel hält SVP-Stratege Christoph Blocher, der seit einem Jahr bereits 20 Prozent besitzt.

Zimmermann weiss erneut mehr als alle anderen. In seiner aktuellen Kolumne schreibt er ohne Quellenangabe, Somm und Bollmann hätten für ihr Paket lediglich je 500 000 Franken bezahlt. Bestätigt wird dies nicht. Somm sagt auf Anfrage: «Kein Kommentar.» Bollmann erklärt: «Wir haben Stillschweigen vereinbart – und daran halte ich mich.» Und Blocher meint: «Die BaZ ist eine private Aktiengesellschaft und gibt über Ertragslage, Darlehen etc. keine Auskünfte.»

Die Wahrscheinlichkeit, dass Zimmermann die richtigen Zahlen liefert, ist hoch. Nicht weil der ehemalige Chefredaktor der «SonntagsZeitung» ein raffinierter Enthüllungsjournalist wäre, sondern vielmehr, weil er zum Sprachrohr der Financiers des rechtsbürgerlichen Mediengespanns «Basler Zeitung»/«Weltwoche» aufgestiegen ist. Als Exeget der richtigen Lesart garniert er sein Insiderwissen mit der ideologischen Einbettung, wie das Medienengagement von Tito Tettamanti und Christoph Blocher zu verstehen sei. Seine aktuelle Botschaft: Die Sanierung der BaZ ist abgeschlossen, die Zeitung werde jährlich sprudelnde Gewinne von 5 bis 6 Millionen Franken generieren.

Somm und Bollmann erhalten die Aktien jedoch faktisch auf Abzahlung. Denn als Nebeneffekt der Transaktion hat das zuletzt als schuldenfrei gefeierte Medium plötzlich wieder einen Haufen Verbindlichkeiten: 38 Millionen Franken bei der MVH und 40 Millionen bei Blochers Robinvest. Damit lasten nur gerade rund 20 Millionen Franken weniger auf der Firma als vor der «erfolgreichen Sanierung», als das Unternehmen allerdings noch über grosse Druckkapazitäten und über einen namhaften Immobilienbesitz verfügte.

Interessant auch die Rechnung der MVH, die ohne erkennbares Kapital in den Besitz der Zeitung gekommen ist und nun fast ihr gesamtes Aktienkapital von 40 Millionen als Darlehen bei der Zeitung gebunden sieht. Diese war das einzige werthaltige Aktivum in der Bilanz – bis es faktisch an das Management verschenkt wurde. Wäre sich der politisch homogen zusammengesetzte Aktionärskreis nicht einig, könnte ein solcher Umgang mit einer Unternehmensbeteiligung leicht zu rechtlichen Komplikationen führen. Doch Georges Bindschedler, zweitgrösster Teilhaber und nominell mit 5,7 Millionen Franken engagiert, erklärt etwa nach der Transaktion auf Anfrage frohgemut: «Ich bin immer noch Aktionär der MVH.»

Ein Schnellschuss war die Gründung der MVH im Dezember 2011. Blocher und Tettamanti hatten sich mit dem Crossair-Gründer Moritz Suter zerstritten, der sich nach dem ersten BaZ-Engagement von Tettamanti als Strohmann und Zeitungsverleger zur Verfügung gestellt hatte. Das Duo beauftragte Filippo Leutenegger, den heutigen Zürcher FDP-Stadtrat, mit dem Aufbau einer neuen Konstruktion zur Verschleierung der Verhältnisse. Noch bevor Leutenegger jedoch mit der MVH funktionsfähige Strukturen geschaffen hatte, warf Suter den Bettel hin, was dazu führte, dass kurzzeitig Blochers Tochter Rahel als wirtschaftlich Berechtigte des Medienunternehmens auf der Bildfläche erschien. Als die MVH dann gezimmert war, trat Tettamanti als Mehrheitsaktionär vor die Medien und versprach, ein Gegengewicht zur Konzentration der Schweizer Medien bei einigen Grosskonzernen zu schaffen. Es blieb bei der Ansage. Und nach dem Verkauf der BaZ ist die Holding für bedrohte Medien bereits Geschichte. Lediglich als Veranstalterin von medienpolitischen Anlässen soll sie weiterleben, hat Tettamanti bekundet.

Als Tarnkonstruktion ist die MVH überflüssig geworden, weil Blocher in Basel seinen Schrecken verloren hat. Dies hat sich der Ex-SVP-Bundesrat und Ex-Nationalrat aber einiges kosten lassen: 40 Millionen sind als Darlehen bei der Zeitung gebunden, und 68 Millionen Franken hat er für die ehemaligen Liegenschaften des Medienunternehmens aufgeworfen. Blocher hat bei der «Basler Zeitung» also insgesamt über 100 Millionen Franken investiert.

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