Die Abstimmungs-Sieger

Grosse Reichweite: «K-Tipp», «Bon à Savoir» und «Saldo». Foto: HO

Grosse Reichweite: «K-Tipp», «Bon à Savoir» und «Saldo». Foto: HO

Die «Pro Service public»-Initiative hat für «K-Tipp» und «Saldo» einen riesigen Werbeeffekt – egal, wie das Volk heute entscheidet.

Trotz anfänglich guten Umfragewerten geht man in Bundesbern bei der «Pro Service public»-Initiative heute eher von einem Nein aus. Ein Ja wäre «eine Sensation», sagt René Schuhmacher, der Verleger der Konsumentenzeitschriften «K-Tipp» und «Saldo», welche die Initiative lanciert haben. Doch ihm geht es nicht nur um den Erfolg an der Urne. Ebenso wichtig ist für Schuhmacher die Erkenntnis, dass das Thema «in den Köpfen drin» ist.

Dafür sorgten die enormen Reichweiten von Schuhmachers Zeitschriften. Allein der «K-Tipp» und sein welsches Pendant «Bon à Savoir» erreichen zusammen fast 1,3 Millionen Leserinnen und Leser in der Schweiz. Die beiden Titel sind in Deutsch- und Westschweiz die führenden Magazinpublikationen, noch vor bekannteren Branchengrössen wie «Beobachter» oder der «Schweizer Illustrierten». Mehr Leser erreichen in diesem Segment nur «Migros-Magazin» und «Coop-Zeitung».

Zuletzt Leser verloren
Die Rekordwerte können aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass der «K-Tipp» jüngst arg Federn lassen musste und rund 70 000 Leser verloren hat – ein Minus von 8 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Gleichzeitig machte aber «Bon à Savoir» in der Westschweiz deutlich Terrain gut. Zu besseren Zeiten lieferten sich «K-Tipp» und «Beobachter» ein Kopf-an-Kopf-Rennen um den Titel des Lesermillionärs. Heute bewegen sich beide deutlich unter der siebenstelligen Marke. Dass die Titel weiterhin so gut auf Papier gelesen werden, lässt sich auch auf die Altersstruktur der Abonnenten zurückführen. 80 Prozent sind über 35, der grössere Teil davon sogar über 55.

Anders als viele private Medienunternehmen lebt die Konsumenteninfo AG kaum von Werbung und finanziert seine Publikationen massgeblich aus dem Erlös der Abonnements. Das Magazin «Saldo» erscheint gar komplett werbefrei, und der «K-Tipp» akzeptiert nur Inserate, die zum redaktionellen Profil passen. Zum kommerziellen Erfolg des Verlags tragen zudem die Ratgeber in Buchform bei. Das sind gleichzeitig die Wurzeln des «K-Tipp». Das Heft wurde Anfang der 1991 als Nachfolge der Merkblätter zur Sendung «Kassensturz» des Schweizer Fernsehens herausgegeben – geschrieben hatte die Blätter der heutige «K-Tipp»-Verleger René Schuhmacher, der damals als Rechtsberater für den «Kassensturz» gearbeitet hatte.

Über die Jahre und mit einigen personellen Irrungen und Wirrungen baute er ein unabhängiges Verlagshaus auf mit heute rund hundert Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von 25 Millionen Franken. Die Arbeitsbedingungen bei den Konsumentenmagazinen gelten als hart, aber fair. René Schuhmacher liest jeden einzelnen Text vor der Veröffentlichung, um ihn auf journalistische und vor allem juristische Unsauberkeiten abzuklappern. Damit spare er jährlich eine halbe Million Franken an Anwaltskosten, sagte er einmal. Fair sind die Arbeitsbedingungen, was sich auch an einer beträchtlichen Zahl langjähriger Mitarbeiter ablesen lässt.

Schreibt nicht nur!
Der wichtigste Grund für den Erfolg und letztlich das Kapital einer Konsumentenzeitschrift ist ihre Publikumsnähe. «K-Tipp» und all seine Schwesterblätter funktionieren als ein sich selbst verstärkendes System, die Masse der Leser als Antriebskraft. Ein grosser Teil der Recherchen erfolgt nach Hinweisen aus der Leserschaft. Und so kommt es, dass die Leser irgendwann fordern: Macht endlich etwas, schreibt nicht nur! So sei auch die Initiative «Pro Service public» entstanden, erinnert sich René Schuhmacher.

Das Risiko einer Instrumentalisierung des kritischen Konsumjournalismus für politische Zwecke sieht der «K-Tipp»-Verleger nicht. Seine Magazine sähen ohne die Initiative genau gleich aus, versichert Schuhmacher. Eine etwas steile Behauptung angesichts der grossflächigen Berichterstattung zu SBB, Post und Swisscom der letzten Wochen und Monate. Dass ein Verlag das politische Parkett betritt, ist in der Schweiz nicht neu. Es gibt eine Tradition der politisch aktiven Konsumentenmagazine. So brachte der «Beobachter» in den letzten vierzig Jahren drei Initiativen zustande, zuletzt die Forderung nach Wiedergutmachung für Verdingkinder und Opfer fürsorgerischer Zwangsmassnahmen. «K-Tipp» und Co. waren vor sechs Jahren mit dem Referendum gegen die Senkung des Umwandlungssatzes in der beruflichen Vorsorge erfolgreich.

Eine grössere Herausforderung für die kommenden Jahre stellt das Digitalgeschäft dar, wo Schuhmacher mit seinem Titel noch einige Luft nach oben hat – aber damit ist er ja nicht allein in den Medien. Die grösste Hypothek bleibt allerdings die dominante Rolle Schuhmachers und die Frage nach seiner Nachfolge. Klar ist nur so viel: Eine Person allein wird ihn, der in zwei Jahren das reguläre Pensionsalter erreicht, nicht ersetzen können.

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