VON CLAUDIA WEISS

Für ein paar Monate sah alles fast bilderbuchmässig aus: der berühmte Tennisstar Stanislas Wawrinka (25) und die schöne TSR-Fernsehmoderatorin Ilham Vuilloud (36), seit fünf Jahren ein Paar, geniessen mit ihrer kleinen Tochter Alexia strahlendes Familienglück. Und plötzlich scheint alles vorbei: Per Communiqué bestätigte Wawrinka die Trennung von seiner Ehefrau. Er wolle sich auf seine Profikarriere konzentrieren, lautet die Begründung, die er im Nachhinein für seinen abrupten Schritt liefert.

Denn passiert ist das Ganze bereits im September: «Stan kehrte vom Davis-Cup in Kasachstan zurück und spielte ein wenig mit unserer Tochter, bevor er sie zu Bett brachte. Dann teilte er mir seinen Entscheid mit», erzählte eine tieftraurige Ilham Vuilloud gegenüber «Le Matin»: «Ich fiel aus allen Wolken.» Sie ist überzeugt, dass er keine andere Frau kennen gelernt habe, vermutet aber, dass die Geburt ihrer Tochter zu viel für ihn war: «Die Ankunft eines Babys ist wie ein Tsunami für ein Paar.» Er selber mochte sich nicht dazu äussern: «Das ist eine private Angelegenheit.»

Die Trennung des Paares berührt, weil sie öffentlich ist, aber auch, weil sie stellvertretend steht für viele Paare, die Gleiches durchmachen. Und weil sie für Aussenstehende überraschend scheint. Noch im Juni schwärmte Wawrinka in einem Interview in der «Aargauer Zeitung»: «Klar, das Baby hat das ganze Leben verändert. Ich bin sehr glücklich über dieses kleine Mädchen.» Er habe neue Prioritäten, «neben dem Platz steht nun die Familie im Mittelpunkt».

Über die genauen Beweggründe für seinen Schritt lässt sich in diesem Fall nur spekulieren, da weder Wawrinka noch Vuilloud für eine Stellungnahme erreichbar waren. Mögliche Gründe gibt es aber durchaus. «Viele Männer überfordern sich mit ihren Vorstellungen von der neuen, modernen Vaterrolle», weiss Diana Baumgarten vom Zentrum Gender Studies der Universität Basel. Sie hat an einer Nationalfondsstudie zum Thema «Familiengründung und Vaterschaft heute» mitgearbeitet und festgestellt, dass der Kinderwunsch auch für Männer ein sehr wichtiges Thema ist.

Für viele ist schon sehr früh klar, dass sie unbedingt einmal Kinder haben möchten. «Oft sind aber ihre Ansprüche an sich selber so hoch, dass es schwierig wird, Vaterrolle und Karriere unter einen Hut zu bekommen», so die Wissenschafterin. «Dieser Vereinbarungskonflikt ist für viele Männer neu und frustrierend.»

Das wird durch die Tatsache verschärft, dass die Gesellschaft noch nicht wirklich auf moderne Väter eingestellt ist, oft stehen Männer vor der gleichen Wahl wie Frauen: Kind oder Karriere. Im Fall eines Profisportlers ist diese Frage viel drängender als bei anderen Männern, die Zeit haben, ihre Karriere zu gestalten: Wawrinkas Karrierefenster dauert seiner Einschätzung nach noch fünf Jahre.

Allerdings haben Männer – wenigstens von aussen gesehen – mehr Wahlmöglichkeiten. Wenn sie wirklich Karriere statt Kind wählen, werden sie von der Gesellschaft weniger angeprangert als Frauen, die sofort gnadenlos als Rabenmutter beschimpft werden: «Eine Tennisspielerin, die ihre Familie der Karriere zuliebe verlässt, hätte wohl einen wesentlich empörteren Aufschrei ausgelöst», vermutet Genderforscherin Baumgarten.

Bei solchen Trennungen darf nicht vergessen werden, dass nicht nur die Frage Kind oder Karriere im Raum steht, sondern auch die Frage nach der Paarbeziehung. Paarberater Josef Lang teilt mögliche Trennungsgründe in zwei Kategorien ein: «Auf der einen Seite steht die Karriere, die anzieht oder fordert. Auf der anderen Seite stehen Enttäuschungen in der Beziehung oder überhöhte Forderungen, die abstossend wirkend.»

In seiner Praxis berät er hin und wieder Paare, die vor einer karrierebedingten Trennung stehen. Er versucht jeweils herauszuarbeiten, welcher Entscheid der echte ist. Es geht nicht darum, das Paar auf Biegen und Brechen wieder zusammenzubringen. «Es kann sein, dass jemand nicht beziehungsfähig ist und grosse Nähe nicht erträgt. Oder dass sich jemand eine Zeit lang einredet, alles sei in Ordnung, bis der innere positive Schalter umkippt und sich das Negative nicht mehr verdrängen lässt.»

Sobald der Alltag über ein Paar hereinbricht, wird die romantische Liebesvorstellung arg infrage gestellt – erst recht, wenn zusätzlich ein Baby den Nachtschlaf raubt. Dann zählt vor allem Frustrationstoleranz. Auch Bilderbuchfamilien kämpfen mit dem Alltag.

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