VON FELIX STRAUMANN

Wenn ihr Handy im Zimmer eingeschaltet ist, schläft Katrin Sager * anders, da ist sie sich sicher. Es fühle sich an, wie wenn sich jemand im Raum befinden würde, sagt sie. Markus Baumgartner * bekommt schon nach einer Minute Kopfschmerzen, wenn er mit seinem Mobiltelefon telefoniert. Schwer erträglich sind die Beschwerden bei Stefanie Oberli *: Sie leidet an Schlaflosigkeit, Sehstörungen und Ohrenschmerzen – wegen einer nahen Mobilfunkantenne, wie sie vermutet.

Rund fünf Prozent der Schweizer Bevölkerung führen gegenwärtige oder frühere gesundheitliche Beschwerden auf Elektrosmog zurück, ergab eine repräsentative Befragung der Universität Bern im Jahr 2005. Für diese so genannt Elektrosensiblen ist eine am Mittwoch veröffentlichte Nationalfondsstudie höchst beunruhigend: Demnach hat sich in der Schweiz die Strahlenbelastung durch Mobilfunk und Kabellosanwendungen in den letzten 20 Jahren mehr als verzehnfacht. Und es gibt kein Entrinnen: Neben dem eigenen Handy sind vor allem die Handys der anderen die stärkste Emissionsquelle. Am meisten gestrahlt wird in den Zügen.

Doch existiert die Elektrosensibilität tatsächlich? Forscher sind auf alle Fälle ratlos: «Wissenschaftlich finden wir nichts», sagt Peter Achermann von der Universität Zürich, der sich seit Jahren intensiv mit den Auswirkungen von elektromagnetischer Strahlung befasst. «Studien, die auf Zusammenhänge stossen, konnten später nicht bestätigt werden oder weisen methodische Mängel auf», so Achermann. .

Dass jemand sein Handy im Schlafzimmer spürt, findet er beispielsweise «eigenartig»: «Wenn man nicht mit dem Handy telefoniert, strahlt es nur alle 20 Minuten ganz wenig, um Verbindung mit der Basisstation aufzunehmen.»

Ähnlich sieht es Martin Röösli, Professor am Institut für Sozial- und Präventivmedizin der Universität Basel, der auch die eben erschienene Nationalfondsstudie geleitet hat: «Leute, die sagen, dass sie Strahlen spüren, merken unter kontrollierten Versuchsbedingungen nicht, wenn ein elektromagnetisches Feld eingeschaltet ist.»

Solche Tests werden in Labors durchgeführt, in denen weder Probanden noch Versuchsleiter wissen, ob ein Feld angestellt ist oder nicht. Röösli ist sich sicher: «Elektrosensibilität hat eine starke psychologische Komponente.»

Wissenslücken bestehen jedoch bei der Frage, ob Strahlen langfristig Beeinträchtigungen auslösen können. Für Achermann wie für Röösli ist denn auch klar: Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass Beschwerden aufgrund von Handystrahlen entstehen. Allerdings kenne man keinen Mechanismus, der eine solche Wirkung unterhalb der Grenzwerte erklären könnte.

Dennoch: «Es gibt schon verblüffende Phänomene», sagt Röösli. Er erinnert sich an eine Situation, bei der ein Betroffener unter Symptomen litt, ohne zu wissen, dass eine Strahlungsquelle vorhanden war. «Nach dem Abschalten ging es ihm besser.»

* Namen geändert.

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