Vor drei Monaten hat sie ihr erstes Kind zur Welt gebracht, und in Davos zeigte sie sich erstmals nach der Babypause wieder der Öffentlichkeit. Marissa Mayer (37) wurde von den WEF-Teilnehmern wie ein Popstar empfangen. Als sie durchs Kongresszentrum ging, musste sie Autogramme geben, und viele knipsten sie mit ihrem Handy.

«Mein kleiner Junge kam mit von Kalifornien nach Davos, wir waren spazieren und besuchten ein Museum», erzählt sie dem «Sonntag». Sie kenne die Schweiz: «Ich liebe dieses Land.» Die Liebe entstand während ihrer Zeit für das UBS Research Lab, wo sie kurze Zeit arbeitete, bevor sie 1999 zu Google wechselte. Sie war eine der ersten Mitarbeiterinnen des Konzerns – genauer: die 20. Angestellte. Da Google in Zürich das europäische Forschungslabor betreibt, sei sie «immer wieder» in die Schweiz gekommen.

Ihr Wechsel von Google auf den Chefsessel von Konkurrent Yahoo entzückte die Medien Mitte Juli 2012. Umso mehr, als sie mit dem Transfer auch gleich ihre Schwangerschaft bekannt gab. Die Geburt kommunizierte sie dann über Twitter: «Mom and baby are doing great – we couldn’t be more excited!»

Yahoo, einst die führende Suchmaschine, geriet in den letzten Jahren gegenüber Google ins Hintertreffen. Doch just seit Marissa Mayer am Ruder ist, zeigen die Zahlen und auch der Aktienkurs (plus 25 Prozent) wieder nach oben. Nun muss die neue Chefin zeigen, dass der «Mayer-Effekt» nachhaltig ist.

In Davos spricht sie vor allem über die Notwendigkeit, Geschäftsmodelle zu finden, mit denen Yahoo auf mobilen Geräten Geld verdienen kann. Denn heute akzeptieren die Nutzer auf den kleinen Bildschirmen Werbung in der bisherigen Form nicht wirklich. «Wir werden Lösungen entwickeln und mit unseren Diensten auch auf Smartphones und Tablets Umsätze generieren», sagte Mayer. Auf die Frage, was sie denn so sicher mache, antwortet sie keck: «Als ich bei Google angefangen habe, sagten auch alle: Tolle Sache, aber wie um Himmels willen wollt ihr damit Geld verdienen?» Mayers Überzeugung: Wo ein Kundenbedürfnis besteht, gibt es irgendwann auch Möglichkeiten, Geld zu verdienen. «Unser Trumpf ist, dass Yahoo alles bietet, was die Leute auf dem Smartphone lieben: E-Mail, Nachrichten, Wetter, Sport und Spiele.»

Sie erlebe jetzt den vierten grossen Umbruch in der Online-Welt. «Erst kamen die Internet-Verzeichnisse, dann die Suchmaschinen. Jetzt erleben wir den Hype um die Social Media, und gerade hat das Mobile-Zeitalter begonnen.» In der digitalen Welt haben heute vier Konzerne die Macht: Google, Apple, Facebook und Amazon. Yahoo ist vergleichsweise klein. Doch Marissa Mayer hält die Hackordnung nicht für dauerhaft. «Es kann so schnell gehen, und einer der vier ist weg vom Fenster oder es kommt was ganz Neues.»

Mit Yahoo hat sie die Ambition, zu wachsen – dies nicht in einem «Krieg» gegen die grossen vier, der aussichtslos wäre, sondern «partnerschaftlich». «Yahoo ist eine nette Firma», sagt Mayer, ohne zu erwähnen, dass ihr vormaliger Arbeitgeber Google den gegenteiligen Ruf hat. «Wir haben nur Erfolg, wenn wir mit anderen zusammenarbeiten.» Nett sein: Zumindest hat der Konzern das richtige Gesicht für diese Strategie.

Mehr Themen finden Sie in der gedruckten Ausgabe oder über E-Paper!