Grossspurig preist sich die SwissTXT ihren Kunden an: Sie sei der «Schweizer Navigator in dieser digitalen Welt». Blöd, wer sich ihr nicht anvertraut. Denn gemäss neuem Werbeauftritt kennt sie die «richtigen Wege», sei ein «inspirierender Partner und Wegbereiter», um sich «in der digitalen Welt nachhaltig zu behaupten».

Ganz so blumig ist Generaldirektor Roger de Weck nicht, wenn er als lobbyierender Wanderprediger wie zuletzt an einem Telekomkongress die SRG-Tochter als Kooperationspartner für private Medienunternehmen anpreist. Doch seine Botschaft verhallt ungehört, da die Firma, die 1983 als Teletext AG gegründet wurde, heute nahezu unbekannt ist. Nur zweimal fand sie in den vergangenen zwei Jahren den Weg in die nationalen Schlagzeilen. Zunächst, als die SRG gendergerecht eine Frau auf den Direktorenstuhl hievte, die sich seither allerdings nie öffentlich zu Wort gemeldet hat. Dann, als SwissTXT eine Sportsendung auf SRF 1 aufgrund eines Programmierungsfehlers mit pornoreifen Zitaten untertitelte und sich damit Hohn und Spott einhandelte.

Für das Medienmagazin «Schweizer Journalist» ist SwissTXT derart unbekanntes Gelände, dass es kürzlich in einem Akt der Verwechslung mutmasste, die SRG wolle ihr Programm SF Info für private Aktionäre öffnen. Davon ist allerdings keine Rede. Vielmehr sagte de Weck kürzlich in einem Zeitungsinterview explizit: «Bringen potenzielle Partner einen Mehrwert ein, so könnten sich diese an SwissTXT massgeblich beteiligen.»

Der bis anhin nicht gehörte de Weck beweist mit seinem Angebot zur Kooperation zumindest Geschichtsbewusstsein: Die Verleger waren bei der Gründung der Firma über den eigens dafür gegründeten Verein Videopress hälftig beteiligt. Unter sich zerstritten, überliessen sie das Feld jedoch ab dem Jahr 2000 schrittweise der SRG. Diese hatte diese Vormachtstellung nicht gesucht und nahm zeitweise sogar den Kabelnetzbetreiber UPC als Minderheitspartner mit ins Boot.

Grösster Umsatzträger
Die Zeiten des archaischen Mediums Teletext sind allerdings vorbei. Im vergangenen Jahr wurden die kommerziellen Inhalte wie die Reiseangebote gestrichen und die Vermarktung dem SRG/Ringier/Swisscom-Konstrukt Admeira übergeben. Da das als Teletext-Nachfolgesystem geplante Smart-TV (HbbTV) aufgrund technischer Einschränkungen nicht wirklich taugt, ist der Teletext jedoch der grösste Umsatzträger bei SwissTXT geblieben (2015: 9,2 Millionen Franken).

Tragende Säule ist zudem der SRG-Auftrag, gemäss Konzession TV-Sendungen zu untertiteln (7,9 Millionen Franken). Der dritte grosse Erlösbringer ist die Bereitstellung von Cloud-Diensten (7,2 Millionen). Zulegen will SwissTXT vor allem mit Plattform-Lösungen. Doch auch in diesem Bereich ist die SRG der dominierende Auftraggeber. Im Auftrag der Mutterfirma bewirtschaft SwissTXT etwa alle Sportresultate in einer Datenbank oder entwickelte das derzeit eifrig promotete «SRF Sport App».

Konrad Hummler ist bester Kunde
Nur gerade 15 Prozent des Umsatzes werden mit externen Kunden erzielt. Als einzig gewichtigen Partner des SRG-Unternehmens erscheint die J.-S.-Bach-Stiftung, die sich zum Ziel gesetzt hat, alle Bach-Kantaten in Ton und Bild aufzunehmen und über eine Online-Plattform gegen Entgelt zugänglich zu machen. Pointe dieser Kooperation: Financier und Mäzen der Bach-Stiftung ist der St. Galler Ex-Banker und Kolumnist Konrad Hummler. Der rechtsliberale Vordenker hatte vor Jahresfrist in einer Kolumne noch hämisch geschrieben, die SRG habe «in vielerlei Hinsicht die Eigenschaften eines ziemlich bösartigen Geschwürs angenommen».

SwissTXT sieht vielleicht für ihre Kunden den Weg in die digitale Zukunft, selbst ist die Firma verzettelt. Doch dies tut dem Geschäftserfolg keinen Abbruch. Aus einem Umsatz von 27 Millionen Franken resultierte auch 2015 ein respektabler Nettogewinn von 2,3 Millionen, und dies bei einem Polster von gut 10 Millionen Franken an freiwilligen Reserven, die aus Gewinnen der Vorjahre gebildet wurde.

Zumindest finanztechnisch ist SwissTXT damit für Medienpartner ein attraktives Investment.

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