Vor wenigen Wochen sorgte eine Facebook-Panne dafür, dass das soziale Netzwerk zwei Millionen seiner Nutzer kurzerhand für tot erklärte, darunter auch Mark Zuckerberg. Auf dem Profil des Facebook-Gründers war die Gedenknachricht fälschlicherweise eingeblendet: «Wir hoffen, die Menschen, die Mark lieben, finden Trost in den Dingen, die hier geteilt werden, um an ihn zu erinnern und sein Leben zu feiern.» Der Systemfehler klärte sich rasch auf. Einige Nutzer protestierten gegen ihren digitalen Tod. «Hallo Facebook, ich bin nicht tot», schrieb Twitter-Nutzer Jonathan Sabin. Facebook entschuldigte sich später für den makabren Vorfall.

Doch die Panne gibt Anlass, über den digitalen Tod zu reflektieren. Etwa alle drei Minuten stirbt in Deutschland ein Facebook-Nutzer, ohne zu entscheiden, was mit geposteten Inhalten, Likes und Fotos passieren soll. Das geht aus dem Portal «machts-gut.de» der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz hervor (Die Zahl verstorbener Nutzer in der Schweiz wollte die für Facebooks Pressearbeit zuständige Agentur nicht angeben).

Die Website hat ein paar interessante Tipps bereitgestellt, wie man seinen digitalen Nachlass regelt oder Internetanbieter mit Todesfällen umgehen. Was passiert im Fall meines Ablebens mit meinem Facebook-Konto? Facebook-Nutzer können bestimmen, ob ihr Konto dauerhaft gelöscht oder in einen sogenannten «Gedenkzustand» versetzt werden soll. «Konten im Gedenkzustand stellen für Freunde und Familienangehörige eine Möglichkeit dar, zusammenzukommen und Erinnerungen zu teilen, wenn eine Person verstorben ist», heisst es bei Facebook. Im Profil der Person wird neben ihrem Namen «In Erinnerung an» angezeigt. Abhängig von den Privatsphäre-Einstellungen des Kontos können Freunde auf der Pinnwand Erinnerungen teilen und kondolieren – die Chronik wird zu einer Art interaktivem Grabstein.

Bürokratischer als die Verwaltung
Facebook bietet die Möglichkeit, in der Rubrik «Einstellungen» und «Sicherheit» einen Nachlasskontakt zu bestimmen. Sobald das Konto in den Gedenkzustand versetzt wurde, kann der Nachlasskontakt Beiträge für das Profil verfassen, auf neue Freundschaftsanfragen reagieren oder das Profil- und Titelbild aktualisieren. Der Nachlasskontakt darf jedoch keine zuvor geposteten Beiträge oder Fotos aus der Chronik entfernen, keine Nachrichten lesen und auch keine Freunde entfernen. Das Problem ist, wenn kein Nachlasskontakt bestimmt wurde und den Hinterbliebenen die Passwörter zu den Online-Konten des Verstorbenen fehlen. In diesem Fall ist man auf die Regelungen der Internetanbieter angewiesen.

Unter Vorlage einer Sterbeurkunde oder anderer «Berechtigungsnachweise» wie Vollmacht, Geburtsurkunde oder Testament versetzt Facebook Konten verstorbener Nutzer in den Gedenkzustand oder löscht die Accounts. Auch bei Twitter können Familienangehörige oder Nachlassverwalter den Tod eines Nutzers anzeigen. Dafür benötigt werden die Kopie der Sterbeurkunde, eine Kopie des offiziellen Ausweisdokuments, das die Identität bescheinigt, sowie ein notariell beglaubigtes Dokument, aus dem Name, E-Mail und Kontaktdaten des Verstorbenen hervorgehen. Der digitale Nachlass ist mindestens so bürokratisch wie der analoge. Die sozialen Netzwerke gerieren sich in ihrer Account-Verwaltung wie eine Behörde.

Der grösste Friedhof der Welt
Google hat für den Umgang mit Online-Konten Verstorbener einen Kontoinaktivitätsmanager eingerichtet (das klingt freilich etwas arg technisch). Hier können bis zu zehn Personen benannt werden, die über die Inaktivität benachrichtigt werden sollen. Der Nutzer kann eine bestimmte Time-out-Period festlegen (zwischen 3 und 18 Monaten), ab der Konto-Inaktivitätsmanager greift und die Berechtigten Zugriff auf die Daten haben.

Trotz digitaler Nachlassverwaltung leben die verstorbenen Nutzer als Karteileichen in sozialen Netzwerken fort. Posts, Nachrichten, Bilder landen in Kontexten, wo sie der Verstorbene womöglich gar nicht haben wollte.

Menschen gehen, Daten bleiben. Jeden Tag sterben 10 000-Facebook-Nutzer, seit der Gründung des sozialen Netzwerks sind bereits 30 Millionen Nutzer den letzten Weg gegangen. Statistiker haben errechnet, dass im Jahr 2065 die Zahl toter Facebook-Nutzer die lebendiger übersteigen könnte. Facebook wäre dann der grösste virtuelle Friedhof aller Zeiten – wenn es das soziale Netzwerk bis dahin überhaupt noch gibt.

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