Der Schweizer Autor Tom Kummer sagte einst über die Abnehmer seiner Storys: «Ich gehe davon aus, dass die Leute wissen, was sie tun, wen sie mit mir in Kontakt treten.» Nun hat er wieder einen Abnehmer gefunden. Die «Weltwoche» druckte in ihrer aktuellen Ausgabe ein Essay des 50-Jährigen über die ehemalige Tennisspielerin Martina Hingis. Es ist Kummers Comeback in der Schweizer Medienbranche.

Vor 13 Jahren löste der Berner einen der grössten Medienskandale der Schweiz aus. Kummer, bekannt für seine extrem unterhaltsamen und extrem persönlichen Interviews, flog als Fälscher auf. Sharon Stones lesbische Fantasien – erfunden. Brad Pitts innere Leere – erfunden. Mike Tysons Kakerlaken-Ernährung – erfunden. Die Chefredaktoren des renommierten deutschen «SZ»-Magazins, für das Kummer unter anderem schrieb, wurden entlassen.

Sein Image als Fälscher wird Kummer nicht mehr los. Das weiss er – und kokettiert in seinem jüngsten Artikel damit. «Wie gerne würde ich jetzt Martina etwas Schönes, Geiles in diesen Mund legen», gesteht Kummer, als er die Mundwinkel der ehemaligen Tennisspielerin beschreibt. Doch er hält sich zurück. Es war diese Selbstironie, die gefiel, schreibt die «Weltwoche». Was er damals gemacht habe, sei falsch, heisst es weiter. Aber jeder verdiene eine zweite Chance.

Eine zweite Chance erhielt Kummer allerdings bereits 2005. von der «Berliner Zeitung». «Wir waren überzeugt, dass er nach seinen Verfehlungen peinlichst genau und korrekt arbeitet», sagt der damalige Chefredaktor Uwe Vorkötter. Doch das war nicht der Fall. Kummer verkaufte der Zeitung eine bereits mehrfach veröffentlichte Reportage als neu.

Seine Texte seien eine Mischung aus Realität und Fiktion – und damit für klassische Tages- oder Wochenzeitungen unbrauchbar, sagt Vorkötter. «Er bleibt ein notorischer Wiederholungstäter, deshalb würde ich ihn nicht mehr einstellen.» Die «Weltwoche» sieht das anders und begrüsst ihn mit den Worten: «Welcome back, Tom.»

Kummer selbst möchte sich zu seinem Schweizer Comeback nicht äussern. Auf Anfrage sagt er nur: «Ich möchte schreiben, nicht übers Schreiben reden.»

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