Letzten Donnerstag kam die Medienbranche zur Selbstreflexion zusammen. Am SRF-Mediensymposium sollte erörtert werden, wie gut die Wahlberichterstattung von Fernsehen und Presse war.

Vorneweg: Der Anlass war von höchster Verblendung geprägt. Man klopfte sich gegenseitig auf die Schultern. Die SRG war lieb mit der Presse, weil sie bald Online-Werbung machen will. Die Presse war lieb mit der SRG, weil lieb sein viel bequemer ist, als Kritik zu üben. Dass der Anlass von lieben und konsensgetriebenen SRF-Moderatoren präsentiert wurde, hievte das Ganze in die Unerträglichkeit.

Während vorne auf der Bühne SRGGeneraldirektor Roger de Weck den «Treffpunkt Bundesplatz» lobte, gaben SRF-Mitarbeiter hinten in den Stuhlreihen unumwunden zu, dass das Spektakel ein «misslungenes Experiment» gewesen sei: zu viel, zu oberflächlich und dann erst noch fast ohne Publikum.

Während vorne Tamedia-Verwaltungsrat Ivan Rickenbacher betonte, wie wichtig es sei, Journalismus zu machen, der nicht nur auf Quoten und Klicks abziele, fragten sich hinten in den Stuhlreihen die Journalisten, warum dann der Tamedia-Verleger permanent gebannt auf die Klick-Raten seiner Online-Portale blicke.

Haue kassierten einzig die Boulevard-Blätter und Gratiszeitungen, von denen bequemerweise kein Vertreter anwesend war. Die Guten von den Qualitätsmedien richteten über die Bösen vom Boulevard.

Bei aller Kritik, die ihre Berechtigung hat: Dank «20 Minuten» sind heute mehr Schüler mit Politthemen konfrontiert als früher. Und der «SonntagsBlick» hat als einzige Deutschschweizer Zeitung die Westschweizer SP-Bundesratskandidaten ausführlich interviewt.
Mit dem Finger auf andere zeigen, nur damit man sich nicht mit eigenen Problemen beschäftigen muss – dies scheint das untrüglichste Erkennungsmerkmal von Qualitätsjournalisten zu sein.

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