Der «NZZ»-Journalist, Pferdeliebhaber und stellvertretende Sportchef Peter Jegen tritt «aus allen Vereinen und Clubs zurück, denen ich im Pferdesport angehöre». Dies gab er am Donnerstag in einer internen E-Mail an die Redaktion bekannt. Damit zieht Jegen die Konsequenzen aus seinem Engagement für den verhafteten Financier und angeblichen Retter des Zürcher Rennvereins (RVZ), Martin Gloor.

Dabei kursierten seit Monaten im kleinen Kreis der Pferdesport-Journalisten Gerüchte und Zweifel über die Seriosität des im März dieses Jahres zum Präsidenten des RVZ gewählten Gloor. Hinter vorgehaltener Hand wurde der Investor als Hochstapler gehandelt.

Einer dieser kritischen Journalisten heisst Markus Monstein, langjähriges Vorstandsmitglied und Speaker auf der Rennbahn in Dielsdorf. Er wurde am 21. September von Gloor abgesetzt, da er sich «mehrfach unverhältnismässig negativ» über den RVZ geäussert habe. Seine journalistische Unabhängigkeit – «trotz Speaker-Amt in Dielsdorf», wie es auf Monsteins Homepage horseracing.ch heisst – sei bereits das Hauptthema einer Besprechung am 7. Mai zwischen ihm, Präsident Gloor und dessen «Berater Peter Jegen» gewesen. Es brauchte aber die spektakuläre Verhaftung und Hausdurchsuchung bei der Beteiligungsgesellschaft Core Capital an der Zürcher Bahnhofstrasse, um das Augenmerk auf die Rolle von «NZZ»-Redaktor Jegen zu lenken.

Monstein störte sich schon im Mai daran, dass Jegen seine Position als «NZZ»-Journalist nutzte, um die Medienarbeit für Gloor und den Rennverein zu machen. Darin sah auch Chefredaktor Markus Spillmann einen «unzulässigen Interessenkonflikt», weshalb er Jegen das Dossier Mitte Woche entzog.

Hat Jegen lediglich naiv, unbedarft oder blauäugig gehandelt, wie gute Bekannte glauben? Als Gloor gewählt wurde, schrieb er am 11. März in der «NZZ»: «Für den hiesigen Turf ist das ein Glücksfall. Eine grosse Chance, die der Rennverein Zürich zu Recht gepackt hat.» Am 20. April, also nur gute zwei Wochen vor dem Gespräch mit Monstein, publizierte die «NZZ» ein Interview mit Gloor, der versprach, 20 Millionen Franken in die marode Pferderennbahn in Dielsdorf zu investieren.

Er wolle dem Sport «etwas zurückgeben», begründete er sein Engagement. Das töne romantisch, fragt Jegen, «als ob ein Traum in Erfüllung gegangen wäre?» Gloor: «Das ist so. Es ist sogar ein Lebenstraum, der für mich Realität geworden ist.»

Die Problematik seiner Doppelrolle als Medienbeauftragter von Gloor und jener des Berichterstatters in der «NZZ» anerkannte Jegen aber erst mit seiner Vorschau auf einen Renntag, die er am 20. August publizierte. Im internen Mail räumt er den «Interessenkonflikt» ein, da er als Mitglied des Rennvereins «bei der Erstellung des Rennprogramms» mitgewirkt, die Website aktualisiert und Texte des Präsidenten redigiert habe.

Die entscheidende Frage kann und will die «NZZ» trotz intensiver Klärungsversuche nicht beantworten. Hat Jegen als Pferdenarr gehandelt, also ehrenamtlich, oder ist er dafür bezahlt worden? Pressesprecherin Bettina Schibli schreibt zwar: «Die von Herrn Jegen geleisteten Medienarbeiten wurden ausserhalb der «NZZ» für den Rennverein erbracht, ohne dass dabei Herr Jegen einen Lohn bezog.» Auf Nachfrage, ob er honoriert oder sonst entschädigt wurde, sagt Schibli: «Mehr gibt es nicht zu sagen.»

Jegen selbst, aber auch Chefredaktor Spillmann reagierten nicht auf Anfragen. Ferner wollte der «Sonntag» wissen, ob die «NZZ» von der Existenz der Flattersatz GmbH wusste, die Peter Jegen gehört und die unter anderem «die Erstellung und Redigierung von Texten» bezweckt. Wurden die für Gloor erbrachten Leistungen über diese Firma abgerechnet? Schibli: «Dies zu prüfen ist nicht Sache des Arbeitgebers.» Beteiligt an der GmbH ist auch ein «NZZ»-Bildredaktor.

Ungereimtheiten gibt es auch um das Buch «Die Moyglare-Story» über das Gestüt von Amag-Gründer Walter Haefner in Irland, das gemäss Schibli «im Auftrag des ‹NZZ›-Buchverlages produziert wurde». Ein Insider sagt jedoch: «Das war ein Auftragswerk der Familie Haefner.» Schibli dagegen hält fest: «Entstandene Kosten, u.a. Spesen und Aufwendungen wurden im Rahmen des Buchprojektes von NZZ Libro bezahlt, u.a. auch die Recherchereise nach Irland.»

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