Seit SVP-Nationalrat Christoph Blocher im Mediengeschäft tätig ist («Basler Zeitung»), fällt mit schöner Regelmässigkeit sein Name, wenn eine Zeitung zum Verkauf steht. Die Aufregung ist dann regelmässig gross – so beim Poker um den Winterthurer «Landboten», der am Ende an die Tamedia ging, oder aktuell bei der Genfer Zeitung «Le Temps».

Deshalb lässt aufhorchen, was zwei zuverlässige Quellen unabhängig voneinander berichten. Diesmal geht es nicht um die Stadtzeitungen in Basel oder Winterthur, sondern um die grossen Medien der Zentral- und Ostschweiz, die «Neue Luzerner Zeitung» und das «St. Galler Tagblatt». Die beiden Blätter mit je rund 300 000 Lesern gehören der Freien Presse Holding, die ihrerseits von der NZZ-Gruppe (zu 75 Prozent) und vom Medienkonzern Publigroupe (zu 25 Prozent) kontrolliert wird. Die Grossaktionärin Publigroupe möchte ihren 25-Prozent-Anteil loswerden. Rund 50 Millionen Franken erhofft sie sich davon.

Pikant: Gemäss den Quellen ist die Publigroupe im Verkaufsprozess auf die BaZ-Eigentümerin Medienvielfalt-Holding zugegangen – über einen Mittelsmann und unter höchster Geheimhaltung. Ein Direktkontakt des Publigroupe-Managements mit den Vertretern der Medienvielfalt-Holding wäre «zu heikel» gewesen, hiess es.

Hinter der Medienvielfalt-Holding steht der Tessiner Financier Tito Tettamanti, der in Basel eng mit BaZ-Verwaltungsrat Christoph Blocher kooperiert. Wenn sie die Chance erhalten, bei der «Neuen Luzerner Zeitung» und dem «St. Galler Tagblatt» Einfluss zu erhalten – beide in ländlich geprägten, bürgerlichen Regionen verankert –, werden sie wohl bereit sein, eine stolze Summe aufzuwerfen, dachte man bei der Publigroupe. Doch Irrtum: Die Medienvielfalt-Holding zeigte sich wenig interessiert. Denn sie könnte bei der Freien Presse Holding in der jetzigen Konstellation kaum etwas bewegen. Das Sagen hätte allein die NZZ-Gruppe mit ihrer 75-Prozent-Beteiligung.

Doch will die NZZ-Gruppe diese Beteiligung überhaupt behalten? Das Magazin «Schweizer Journalist» schrieb kürzlich, «ein mittelfristiger Verkauf ist deutlich wahrscheinlicher, als es zunächst klingt». Der neue NZZ-Verwaltungsratspräsident Etienne Jornod lasse das Regionalgeschäft gerade durch zwei externe Berater durchleuchten. Es war früher sehr rentabel, die Profitabilität von «St. Galler Tagblatt» und «Neue Luzerner Zeitung» hat aber gelitten.

Hätten die Kreise um Tettamanti und Blocher die Gelegenheit, bei diesen Zeitungen wirklich das Sagen zu haben, dann würden sie wohl zugreifen. Zusammen mit der «Basler Zeitung» könnte man gemeinsam einen schlagkräftigen rechtsbürgerlichen Inland- und Wirtschaftsteil produzieren – für fast 800 000 Leser, mehr als jede andere Tageszeitung in der Schweiz erreicht, mit Ausnahme von «20 Minuten».

Doch das scheinen rechtsbürgerliche Wunschträume zu bleiben. Für die NZZ sei «ein mittelfristiger Verkauf» der Regionalzeitungen «kein Thema», beteuert Kommunikationschefin Bettina Schibli. Zum 25-Prozent-Paket der Publigroupe sagt sie: «Die Verkaufsabsichten der Publigroupe sind uns natürlich bekannt. Wir prüfen das, können derzeit aber keine weiteren Kommentare abgeben.»

Branchenkenner gehen davon aus, dass letztlich die NZZ-Gruppe nolens volens den Publigroupe-Anteil kauft. Sie hat ein Vorkaufsrecht. Doch 50 Millionen Franken sind viel Geld für eine Beteiligung, die nur noch wenig Gewinn abwirft. Die Avancen der Publigroupe bei der Medienviefalt-Holding könnten vor diesem Hintergrund vor allem dazu dienen, den Preis für die Beteiligung in die Höhe zu treiben.

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