Die Grafik spricht Bände: Die Zahl der Zeitungstitel hat sich in der Schweiz seit den 50er-Jahren halbiert. Noch rund 180 verschiedene Zeitungen gibt es heute. Verglichen mit anderen Ländern Europas ist der Blätterwald hierzulande zwar nach wie vor dicht, aber er hat sich merklich gelichtet. Allein in den letzten zehn Jahren sind rund 30 Zeitungstitel verschwunden.

Neue Zeitungen entstanden zuletzt nur noch am Sonntag – einem Markt, der in der Schweiz spät entdeckt wurde. Bei den Tageszeitungen hingegen hiess der Trend in den vergangenen Jahrzehnten: Fusionieren und einstellen. Einen anderen Weg gehen die AZ Medien, die auch die «Schweiz am Sonntag» herausgeben: Ab dem kommenden Freitag erscheint erstmals wieder das «Badener Tagblatt». Dieser Zeitungstitel verschwand vor 18 Jahren, nachdem es im Aargau zur Fusion mit dem «Aargauer Tagblatt» zur «Aargauer Zeitung» gekommen war.

Warum kehrt nun das «Badener Tagblatt» zurück? Peter Wanner, Verleger der AZ Medien, sagt, er habe das schon lange geplant: «Nach der Fusion von ‹Aargauer Tagblatt› und ‹Badener Tagblatt› habe ich bald gemerkt, dass es ein Fehler war, auf die starke Marke ‹Badener Tagblatt› zu verzichten.» Man habe 1996 mit der «az» etwas Neues wagen wollen und mit einer einheitlichen Marke eine Stimme für den ganzen Kanton etabliert. «Das ist zwar gelungen, die ‹Aargauer Zeitung› ist heute zweifellos besser als die beiden Vorgänger-Zeitungen», sagt Wanner. Aber die Identifikation der Leser im Ostaargau laufe weniger über den Kanton als über die Region: «Mit ‹Badener Tagblatt› sprechen wir die Badener besser an als mit ‹Aargauer Zeitung›.»

Der Verleger ist auch überzeugt, dass «Baden» auch bei Neuzuzügern besser zieht als «Aargau»: Vor allem aus dem Kanton Zürich zügeln Jahr für Jahr mehr Menschen in die Region Baden-Wettingen, und oft identifizieren sie sich stark mit dieser Region, sehen aber «AG» als eher negativ an. Wanner: «Beim ‹Badener Tagblatt› wissen sie: Das ist die Zeitung, die sie als Bewohner dieser Region lesen müssen.»

Das «Badener Tagblatt» ist Teil des Zeitungsverbundes «az Nordwestschweiz» und übernimmt von dieser die nationalen und internationalen Inhalte und auch die Berichterstattung über den Kanton, setzt aber eigene Akzente auf der Frontseite, im ausgebauten Regionalbund und auch mit eigenen Kolumnisten. Dazu gehört etwa der Badener Autor und Slam-Poet Simon Libsig, und der bekannte Karikaturist Silvan Wegmann wird regelmässig Artikel illustrieren. Da viele Leser sich eher nach Zürich als nach Aarau orientieren, wird auch der Berichterstattung aus der Grossstadt mehr Platz eingeräumt werden.

az-Abonnenten im Einzugsgebiet von Baden-Wettingen werden ab 31. Oktober anstelle der «az» automatisch das «Badener Tagblatt» erhalten, das auch an den Kiosken erhältlich sein wird. Für den Inhalt verantwortlich ist das verstärkte Regionalressort unter der Leitung von Martin Rupf. Er sagt: «Die Traditionsmarke ‹Badener Tagblatt› ruft beim ganzen Team Erinnerungen wach. Einige Redaktoren haben schon für das BT geschrieben, andere haben mit ihm lesen gelernt. Wir freuen uns, und es macht uns stolz, zur Wiedergeburt des BT beitragen zu können.»

Das «alte» Badener Tagblatt hatte einen legendären Ruf und galt als Talentschmiede. Journalisten wie Markus Spillmann (heute «NZZ»-Chefredaktor), Peter Hartmeier (später «Tages-Anzeiger»-Chefredaktor) und Frank A. Meyer (Ringier-Publizist) haben in jungen Jahren für das «Badener Tagblatt» geschrieben. Verleger Peter Wanner will den Spirit von einst wieder beleben: «Etwas vom legendären Badener Geist soll im Blatt wieder spürbar sein.» (az)

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