Am Dienstagabend im SRF-«Medienclub» zum 40-JahrJubiläum der Sendung «Kassensturz»: Sara Stalder, Präsidentin der Stiftung Konsumentenschutz, überreicht «Kassensturz»- Moderator Ueli Schmetzer vor laufenden Kameras eine Flasche Champagner. Der Beschenkte dankt brav für das Präsent, lässt die Flasche elegant verschwinden und sagt: «Ich sage jetzt nicht, was das für eine Marke ist, sonst haben wir ein Problem.»

Mit der öffentlich-rechtlich korrekten Reaktion hat TV-Profi Schmetzer verhindert, dass sich SRF dem Vorwurf der unerlaubten Schleichwerbung aussetzt. Unterschwellige Reklame ist im Schweizer Fernsehen verboten. Anders als Product Placement, das seit 2010 erlaubt, in Unterhaltungssendungen und Filmen Produkte gegen Geld oder Sachleistungen prominent ins Fernsehbild zu rücken – wenn die Sponsoren am Anfang und Ende der Sendung genannt werden.

Die Grenze zwischen erlaubter und unerlaubter Werbung in TV-Sendungen ist allerdings schwammig – und wird vom Schweizer Fernsehen immer wieder verletzt. Erst vergangenen Dezember stellte das Bundesamt für Kommunikation (Bakom) zwei Verstösse gegen die Werbe- und Sponsoringbestimmungen im Bundesgesetz über Radio und Fernsehen (RTVG) fest. Im einen Fall verwandelte Jurymitglied Stress die Musikshow «Voice of Switzerland» in eine Dauerwerbesendung für sein Kleiderlabel, dessen Logo gross auf seiner Jacke zu sehen war. Im Gegenzug erhielt SRF Kleider im Wert von 1000 Franken gesponsert. Dafür wurde SRF vom Bakom gebüsst.

Nicht zum ersten Mal, aber ausgerechnet auch in der Jubiläumssendung, die am Dienstagabend eine Stunde vor dem «Medienclub» über den Sender flimmerte, ritzte auch der «Kassensturz» die Grenze zur Schleichwerbung. Wie auch schon in früheren Sendungen wird letzten Dienstag einem Interviewpartner ein Beitrag auf einem Tabletcomputer vorgespielt, und dabei ist das Firmenlogo des Tabletherstellers prominent im Bild zu sehen – exakt fünf Sekunden lang. Ein 20-Sekunden-Spot vor dem «Kassensturz» kostet derzeit 9208 Franken. Der Werbeeffekt für die Computerfirma beträgt im vorliegenden Fall also 1840 Franken.

Schleichwerbung? Die sekundenlange Einblendung des Apfel-Logos steht im Kontrast mit Ueli Schmetzers Bemühen, im «Medienclub» den Hersteller des geschenkten Champagners nicht ins Fernsehbild zu rücken. Obwohl bei SRF der Fall mit dem Tablet intern als «Grenzfall» taxiert wird, kann der Sender offiziell keine unerlaubte Schleichwerbung erkennen: «Zulässig sind Fernsehbilder, die die Realität abbilden und dabei Produkte nicht werblich darstellen. In den ‹Kassensturz›-Beiträgen schauen sich Interviewpartner auf Tablets Filmausschnitte an, wie dies in der Realität täglich x-fach passiert. Dabei achtet die Redaktion darauf, dass Logos nicht im Zentrum stehen», sagt SRF-Sprecherin Andrea Wenger. Ausserdem würden im «Kassensturz» Tablets unterschiedlicher Marken eingesetzt.

«Würde Apple die Sendung sponsern, würden wir den Sachverhalt abklären – die Sendung hat aber kein Sponsoring. Insofern besteht vonseiten des Bakom derzeit kein Anlass für Abklärungen», sagt Bakom-Sprecherin Deborah Murith. Roger Blum, Präsident der Unabhängigen Beschwerdeinstanz UBI, will den Fall nicht beurteilen, um bei einem allfälligen Verfahren nicht befangen zu sein. Angesprochen auf das sichtbare Logo eines Mitbewerbers im «Kassensturz» antwortet Samsung-Mediensprecher Alexander Tschobokdji nur lapidar: «Es freut mich, dass Ihnen dies auch auffällt.» Mehr will er dazu nicht sagen.

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