Zuerst versuchte es die BDP in Gesprächen mit SRG-Generaldirektor Roger de Weck und SRF-Direktor Rudolf Matter. «Sie gaben uns in einer ersten Aussprache im Sommer in vielen Punkten recht», sagt BDP-Nationalrat Hans Grunder. Doch inzwischen habe sich die Situation «verschlimmert». Unzufrieden ist die Partei vor allem mit der «Arena». Sie fühlt sich schlecht vertreten. «In den normalen ‹Arena›-Sendungen seit der Lancierung des neuen Konzepts wurde die BDP noch gar nie berücksichtigt», sagt Grunder. «Obwohl allen Parteien für die normalen ‹Arena›-Sendungen eine Beteiligung nach Proporz versprochen wurde.» Auch in den Wahl-Arenen, bei denen die vier grössten Parteien die Hauptplätze besetzen, «sind wir auf den Nebenplätzen nur in drei von vier Sendungen vertreten, obwohl uns versprochen wurde, wir könnten an allen teilnehmen».

Am Dienstag beschloss die BDP-Fraktion, SRG-Generaldirektor de Weck und SRF-Direktor Matter per Brief nochmals um ein Gespräch zu ersuchen. Ihrer Meinung nach verzerre die öffentlich-rechtliche Berichterstattung vor den Wahlen die Realitäten. Die Partei teilte mit, sie bereite eine Beschwerde bei der Unabhängigen Beschwerdeinstanz (UBI) vor. Inzwischen haben SRF-Chefredaktor Tristan Brenn und «Arena»-Moderator Jonas Projer auf die Vorwürfe geantwortet. «Ich bin ehrlich gesagt überrascht von der Vehemenz Ihrer Kritik», schreibt Brenn. «Ich kann Ihnen versichern, dass wir unser Bestes tun, die Parteienlandschaft der Schweiz so ausgewogen wie möglich darzustellen.» Er könnte den Grundvorwurf, SRF benachteilige die BDP, «nicht nachvollziehen».

Noch deutlicher wird Projer. «Es trifft nicht zu, dass die BDP in der ‹Arena› nicht adäquat vertreten sei», schreibt er. «Unser Versprechen, dass die BDP übers Jahr gerechnet in der ‹Arena› angemessen vertreten sein wird, gilt.» Zudem unterschlage die BDP einen Auftritt in der Hauptrunde: jenen zur GfS-Wahlumfrage. BDP-Präsident Martin Landolt zählt jene «Arena» zur Wahl-«Arena». «Die Stellungnahme von SRF ist alles andere als befriedigend», sagt er. «Deshalb schlage ich der Fraktion am Dienstag eine Beschwerde bei der UBI vor.» Landolt betont, Projer moderiere die «Arena» gut. Als er dabei war, sei er auch zufrieden gewesen, wie er berücksichtigt worden sei. «Nicht zufrieden hingegen bin ich, wen Jonas Projer wann für welches Thema auswählt.» Für die BDP als Partei sei die «Arena» vor den Wahlen «eine existenzielle Plattform», sagt Landolt. «Deshalb akzeptieren wir es nicht, dass wir 2015 in der normalen ‹Arena› nie auftreten konnten.»

Die «Arena» steht aber auch bei anderen kleineren Parteien in der Kritik. «Eigentlich getraut man sich gar nicht, sich öffentlich zu äussern», sagt GLP-Präsident Martin Bäumle. «Weil man sonst befürchten muss, geschnitten zu werden.» Für ihn fehlt der «Arena»-Redaktion die Sensibilität für Milizpolitiker. «Von einem Service-public-Sender erwarte ich grössere Rücksichtnahme», sagt er. Für die Präsidentenrunde etwa sei er ohne Voranfrage aufgeboten worden. «Und zwar ausgerechnet an jenem Freitag, an dem ich als einzigem im ganzen Wahlherbst fix unabkömmlich war.» Er habe sich in dieser wichtigen «Arena» vertreten lassen müssen.

Ähnliche Kritik äussert Hans Grunder. «Für eine Sendung, für die ich aufgeboten wurde, brach ich die Ferien früher ab», erzählt er. Auf der Rückreise habe er den Bescheid erhalten, sie bräuchten ihn nun doch nicht. Grunder: «Ein richtig arrogantes Vorgehen.»

Kritik gibt es auch intern, wie Recherchen zeigen. Viele Mitarbeiter haben das «Arena»-Team verlassen, weil sie Probleme mit der Arbeitsatmosphäre hatten. Nach einem Jahr hat Projer sein Team fast vollständig umgebaut. Ein Vergleich der «Arena»-Quoten vom 6. September 2013 bis zum 4. Juli 2014 und in der Zeit der neuen «Arena» unter Jonas Projer vom 29. August 2014 bis 11. September 2015 zeigt: Die alte «Arena» hatte im Schnitt 189 000 Zuschauer, die neue mit Projer 179 000 Zuschauer. Das entspricht einem Minus von 5 Prozent.

Projer selbst sagt, Parteien versuchten gelegentlich, die Gästeauswahl der «Arena» «mit Druck und Drohungen» zu beeinflussen. «Dem begegnen wir höflich, aber bestimmt.» Die Stimmung auf der «Arena»-Redaktion sei «hervorragend», betont er. «Dass es unter einem neuen Redaktionsleiter zu einzelnen Wechseln im Team kommt, ist normal.» SRG-Generaldirektor de Weck verteidigt die neue «Arena». «Sie ist sachlicher und lösungsorientierter», sagt er bei einer zufälligen Begegnung auf der Strasse. «Bei einer zunehmend ideologisierten Auseinandersetzung in der Schweizer Politik gibt es nichts Kritischeres als Fakten und Faktenchecks. Ideologen hassen Fakten.»

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