Es sind dramatische Zeiten für die Zeitungsbranche. «Hinter uns brennen die Brücken» – so zitierte die «Frankfurter Allgemeine Zeitung FAZ» diese Woche NZZ-CEO Veit Dengler, nachdem sie am Dienstag selber den Abbau von 200 Mitarbeitenden bekannt geben musste. Bei der NZZ ist es bislang nur die Reichweite, die leidet: Mindestens 10 Prozent Leserinnen und Leser haben die NZZ-Produkte laut den neusten Wemf-Zahlen innerhalb des letzten Jahres verloren – so viele wie keine anderen Medientitel in der Schweiz.

Nachdem Verwaltungsratspräsident Etienne Jornod vor zwei Wochen selber in die Tasten gegriffen hatte, um in der NZZ die Dramatik der Lage zu schildern, äusserte er sich vergangene Woche in einem Interview mit der «Finanz und Wirtschaft». Jornod betonte, wie wichtig es für die NZZ sei, keine «normal kotierte Gesellschaft» an der Börse zu sein. «Die Vinkulierung» der Aktien sei «aufrechtzuerhalten, um die Unabhängigkeit der Zeitung zu sichern». Und: «Die NZZ braucht die Sicherheit, dass sie nicht von einem Jeff Bezos oder einem Silvio Berlusconi gekauft wird.» Keck fragte die «Finanz und Wirtschaft» nach: «Oder von Christoph Blocher?» Antwort Jornod: «Na, bleiben wir bei Berlusconi und Bezos. Der heutige Börsenwert der NZZ-Gruppe ist 200 Millionen Franken. Das ist für gewisse Leute ein Taschengeld.»

Jornods Aussage ist durchaus als Anspielung auf Blocher und sein Umfeld zu verstehen, die Aktien zu kaufen begannen. Bereits im Juni hatte die «Schweiz am Sonntag» über eine Präsentation berichtet, die der NZZ-Spitze zugespielt worden war. «Zellenkur für die alte Tante», lautete der Titel, verfasst von der Neuen Helvetischen Bank (NHB). Deren Gründer und Hauptaktionär ist SVP-Nationalrat Thomas Matter. Die Präsentation zeigt, wie die NZZ-Aktie zur Goldgrube werden könnte: mit «Quick Wins» für NZZ-«Trophy-Liegenschaften».

Man habe «keine Kenntnisse» davon, dass Personen Aktien erwerben würden, die SVP-Volkstribun Christoph Blocher nahe stünden, hatte Etienne Jornod damals noch verlauten lassen.

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