Marc Jongen ist Programmchef der Alternative für Deutschland (AfD). Der Philosoph, der einst Peter Sloterdijk assistierte, ist der Vordenker der umstrittenen deutschen Rechtspartei. Auf den 17. März wurde er ins Theaterhaus Gessnerallee eingeladen. Unter dem Titel «Die neue Avantgarde» soll er auf einem Podium mit Vertretern der SVP und der Operation Libero diskutieren. Zahlreiche Kulturschaffende protestierten gegen den Auftritt. Der Regisseur Kevin Rittberger etwa kritisiert Jongen als «Brandstifter», welcher nicht zum Demokratiespektrum gehöre. Das Theater Gessnerallee lädt nun zu einer offenen Diskussion darüber, ob man Jongen wieder ausladen sollte.

Herr Jongen, Was halten Sie vom Widerstand gegen Ihren Auftritt?

Marc Jongen: Es ist ein groteskes Schauspiel: Leute, die behaupten, sie seien Demokraten, rufen zur Verhinderung einer freien Diskussion auf. Das ist eine antidemokratische Haltung, selbstwidersprüchlich und heuchlerisch.

In Interviews werben Sie für «Wehrhaftigkeit». Nehmen die Künstler Sie nicht einfach beim Wort und wehren sich gegen Ihre Ideologie, welche sie als menschenverachtend taxieren?

Sie sprechen den Begriff «Thymos» an, den ich in Interviews und Vorträgen benutzt habe. Das wird leider meist verkürzt zitiert, so als handele es sich um eine Art Krawallphilosophie. Der menschliche Thymos hat viele Abschattungen, vom giftigen Ressentiment bis zur gesunden Selbstachtung. Ich habe nie für Wut um ihrer selbst willen plädiert, aber der aktuelle Zorn des Volkes auf die Eliten scheint mir berechtigt. Bei den Protestierenden gegen die Zürcher Veranstaltung handelt es sich aber nicht um eine unterdrückte Minderheit, sondern um Agenten des hegemonialen Herrschaftsdiskurses. Linke Kulturschaffende beherrschen ja 98 Prozent der kulturellen Einrichtungen.

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Soll Marc Jongens Auftritt verboten werden?
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Sie sind sich Proteste aus Deutschland gewohnt. Was ist anders in der Schweiz?

Nach meinem Gefühl gibt es in der Schweiz noch mehr freie Rede als in Deutschland. In diesem Fall mischen sich die Deutschen aber auf sehr arrogante Art ein. Die meisten der aufrechten Demokraten, welche den Aufruf gegen mich unterschrieben haben, stammen ja aus Deutschland. Ich fände es sehr traurig, wenn sich die Schweiz diesem jakobinischen Druck aus Deutschland beugen würde.

Die Veranstalter laden nun zu einer Diskussion über den Umgang mit Rechtspopulisten. Was halten Sie davon?

Den Veranstaltern möchte ich gar nichts vorwerfen. Sie sind einem riesigen Druck ausgesetzt und konnten daher wohl nicht anders, als eine solche Diskussionsrunde einzuberufen. Ich hoffe nur, dass sie nicht völlig einknicken und das Podium absagen. Das würde die offene Debattenkultur der Schweiz beschädigen.

Wann wäre für Sie der Zeitpunkt, an dem Sie sagen, Sie verzichten auf den Auftritt?

Ich suche diese Art der Konfrontation nicht. Aber solange die Einladung steht und die Sicherheit gewährleistet ist, werde ich nach Zürich kommen.