Es sieht aus wie ein gewöhnliches Skateboard. Nimmt man das Brett in die Hände, fühlt es sich aber viel schwerer an als erwartet. Rund 4,5 Kilogramm wiegt es. Das liegt an der Batterie, die im Brett versteckt ist und an den beiden Elektro-Motoren, die in den Hinterrädern verbaut sind.

Für Manuel Hug ist das Skateboard nichts Geringeres als die Zukunft der E-Mobilität. Das Transportmittel, mit dem man die letzte Meile zurücklegt, vom Parkplatz am Stadtrand ins Büro, vom Bahnhof zur Wohnung. «Man kommt damit im urbanen Dschungel schnell von A nach B und hat erst noch Spass dabei», sagt der 28-jährige Mitgründer des Start-up SoFlow, welches das motorisierte Rollbrett entwickelt hat.

Zuerst zickt Lou

Das Skateboard heisst Lou, was auf Schottisch «Liebe» bedeutet. Der passende Name für ein Transportmittel, das einen überallhin begleitet und auf das man immer zählen kann, finden die Jungunternehmer. Lou ist zwar nicht das erste E-Board, aber das erste, das in der Schweiz entwickelt und designet worden ist. Gemäss Hersteller ist es obendrein das leichteste, dünnste und am einfachsten zu manövrierende motorisierte Skateboard. Ausserdem ist es verdammt schnell: 35 Stundenkilometer schafft Lou.

«Das E-Board ist viel einfacher zu fahren als ein herkömmliches Rollbrett», sagt Jungunternehmer Hug. Weil man nicht auf einem Bein balancieren müsse, wenn man mit dem anderen Fuss anschiebt, und weil das Bremsen auf Knopfdruck erfolge. In der Hand hält man eine kleine Fernbedienung mit einem Regler. Schiebt man diesen nach vorne, fährt das Brett los, zieht man ihn zurück, stoppt es.

Auf zur Testfahrt! Die Füsse stehen fest auf dem Brett, die Knie sind ein bisschen wacklig. Ein sanfter Druck auf den Hebel an der Fernbedienung ... Lou macht einen gewaltigen Ruck und wirft seinen Fahrer wie eine zickige Stute ab. Der Prototyp sei offenbar noch nicht ganz justiert, meint Manuel Hug. Ein paar Handgriffe später ist alles bereit für Versuch Nummer zwei.

Dieses Mal klappts. Das Brett rollt langsam an, beschleunigt sanft und gleitet dann geräuschlos über den Asphalt, als werde es vom Wind angeschoben. Asphaltsurfen bekommt da eine ganz neue Bedeutung.

Natürlich passt Lou bestens in eine neue, grüne Bewegung: Auf den Strassen rollt die E-Revolution an. Tesla hat das Elektro-Auto hip gemacht. Und auf den hiesigen Strassen fahren längst nicht mehr nur altersschwache Opas E-Velos, auch Biker, die bergauf in die Kurven liegen wollen, sind auf den Geschmack gekommen. Alleine im letzten Jahr sind über 75 000 neue E-Bikes in der Schweiz unterwegs; jedes vierte neue Velo ist mittlerweile mit Elektro-Motor ausgerüstet. Doch ein elektrifiziertes Rollbrett, braucht man das?

Ja, meinen zumindest ein paar hundert Enthusiasten, die Lou auf der Finanzierungsplattform Kickstarter unterstützt haben. Und täglich werden es mehr. Nicht einmal vier Tage dauerte es, bis SoFlow das angepeilte Ziel erreicht und 80 000 Franken eingesammelt hat; die Kampagne dauert noch einen Monat. Für 279 Franken kann man das Brett in der günstigsten Version vorbestellen. Im Sommer kann man Lou dann auch im Schweizer Fachhandel kaufen.

Aufgeladen wird Lou wie ein Laptop an der Steckdose. Nach zwei Stunden ist der Akku gemäss SoFlow voll und liefert Energie für die nächsten 15 Kilometer. In der luxuriösesten, aus Karbon gefertigten Variante kommt man mit einer Akku-Ladung sogar 25 Kilometer weit.

Das E-Board lässt sich einfach mitnehmen: Man schnallt es an den Rucksack und steigt ein ins Tram. «Es gibt kein motorisiertes Fortbewegungsmittel, das so leicht zu transportieren ist wie ein E-Board», ist Manuel Hug überzeugt. Das sei letztlich auch der Grund gewesen, warum man sich für ein E-Board und nicht etwa für ein motorisiertes Kickboard entschieden habe.

Ohne verschlissene Schuhe

Durch seine Elektrifizierung hat das Velo im Strassenverkehr eine neue Funktion erhalten: Es ersetzt zunehmend den Zweitwagen und wird zum Fortbewegungsmittel der Wahl für Strecken von wenigen Kilometern. Man ist damit nur geringfügig langsamer als mit dem Auto, betätigt sich aber doch sportlich. Das könnte mit dem E-Board so ähnlich sein: Mit seiner Motorisierung könnte das Rollbrett zum praktischen Fortbewegungsmittel für die Stadt werden – und zwar nicht nur für Wollmützen tragende Jugendliche in verschlissenen Sneakers, sondern auch für hippe Anzugsträger in Halbschuhen. Denn E-Boarden ist die noblere Variante von Skateboarden.

Dennoch: Nicht alle Städter dürften so schnell mit E-Brettern unterwegs sein. «Besonders schwer zu überzeugen, sind die Skater», meint Manuel Hug. Die seien puristisch, wollten keinen Elektroantrieb unter den Füssen. Die Skater-Shops zumindest, die er angegangen ist, wollten von Lou nichts wissen.

Dieses Skateboard fährt auf Knopfdruck