Muss Flückiger schon bald in Pension? Die Gerüchte um eine bevorstehende Ablösung von Stefan Gubser als Hauptkommissar im Schweizer «Tatort» halten sich hartnäckig. Das Schweizer Fernsehen SRF bestätigt auf Anfrage, dass man daran sei, den Schweizer «Tatort» «weiterzuentwickeln» und auch über «personelle Änderungen nachzudenken». Entschieden sei aber noch gar nichts. «Solange der ‹Tatort› beim Publikum ankommt, fahren wir damit weiter», sagte der zuständige SRF-Bereichsleiter Fiktion Urs Fitze dem «Tagesanzeiger» noch im Juni.

Tatsache ist, dass der Schweizer «Tatort» in Deutschland die mit Abstand schlechtesten Werte aufweist. Und auch in der Schweiz schauen immer mehr Leute weg. Der letzte «Tatort - Schutzlos» vom Juli erreichte nur noch halb so viele Zuschauer wie die erfolgreichsten Schweizer Folgen. Die Zuschauerzahlen gehen seit 2013 kontinuierlich zurück. Die Quote ist mit 29% zwar noch vergleichsweise gut, die Schweizer Ausgabe hat aber inzwischen ihren Vorsprung gegenüber den deutschen Folgen eingebüsst. Das ist alarmierend. Der Schweizer «Tatort» ist auch hier im Popularitätstief. Es besteht Handlungsbedarf.

Beim Luzerner «Tatort» war von Anfang an der Wurm drin. Die missratene Folge mit US-Gaststar Sofia Milos war so schlecht, dass sie überarbeitet und verschoben werden musste. Von diesem Fehlstart hat sich der Schweizer «Tatort» nie richtig erholt. Die Folgen wurden dann zwar besser, doch die zum Teil vernichtenden Kritiken aus Deutschland blieben. Unter Dauerbeschuss ist auch das profillose Ermittlerteam und vor allem Kommissar «Kantenlos», wie Flückiger inzwischen genannt wird.

Das ist nicht allein die Schuld von Gubser, denn SRF hat Privates der Hauptdarsteller bewusst weggelassen. «Der Fall sollte der Star sein, nicht der Schauspieler», sagte dazu Bereichsleiter Urs Fitze. Dieses Konzept hat Schiffbruch erlitten. Es zeigt sich: Je stärker das Profil und der Charakter der Hauptdarsteller, desto populärer die Krimis. Die TV-Zuschauer wollen eine emotionale Bindung aufbauen, wollen mitleiden und sich mit den Hauptdarstellern identifizieren. Private Neben- und Parallelgeschichten zum Kriminalfall sind ein geeignetes Mittel, um diese Identifikation herzustellen. Beim Schweizer «Tatort» fehlten sie. Die «Tatort»-Macher haben es versäumt, den Figuren Leben einzuhauchen.

Auch zwischen den Schauspielern und SRF soll es deswegen gekracht haben. Gemäss zuverlässigen Quellen haben die Darsteller «direkt und in langen Diskussionen» bei SRF interveniert und gefordert, dass die Zuschauer mehr über die Hauptdarsteller erfahren sollen. Mit mässigem Erfolg. Erst in der letzten Folge ist Flückiger stärker in den Mittelpunkt des Geschehens gerückt.

Doch nach dieser Folge muss man sich fragen, ob Flückiger die geeignete Figur ist. Der Hauptkommissar ist ein ausgesprochener Einzelgänger.

Er hat kein Privatleben. Keine Familie, Freunde, Frauen, Beziehungen, Verhältnisse. Einfach nichts. Auf dem Profil lassen sich kaum Parallelgeschichten aufbauen.

Die Situation ist verkorkst, der Imageschaden da. Ein Schnitt und Neuanfang ist überfällig und könnte eine befreiende Wirkung haben. Vielleicht an einem neuen Standort, vielleicht mit einem neuen Team und sicher mit einem neuen Hauptkommissar.

Mehr Themen finden Sie in der gedruckten Ausgabe oder über E-Paper