Grosse Verliererin des Schweizer Festivalsommers 2014 ist das Festival Moon & Stars in Locarno. Wie der Veranstalter der «Schweiz am Sonntag» bestätigt, ist der Ticketverkauf von 93 000 auf 55 000 zurückgegangen. Angaben zum Ergebnis gibt es nicht, doch die Einbussen gegenüber dem Vorjahr müssen massiv sein.

Bei einem Ticketpreis von 95 Franken kann beim Ringier-Festival von einem Verlust von 3,6 Millionen Franken ausgegangen werden. Zu den Einbussen im Ticketverkauf kommt der Rückgang bei der Konsumation. Als Gründe für den massiven Einbruch nennt Ringier das Wetter, die Ferien, die Fussball-WM sowie das Programm. Der Veranstalter sieht aber keine Notwendigkeit, etwas an der Organisationsstruktur mit den konkurrierenden Firmen abc Productions (Booking) und Good News (Ticketing) zu ändern. Die Zusammenarbeit habe «perfekt funktioniert». Auch der Anlass selbst ist trotz des Verlustes nicht infrage gestellt. «Selbstverständlich werden wir Moon & Stars auch in den nächsten Jahren auf der Piazza Grande veranstalten», heisst es bei Ringier.

Massiv ist der Rückgang auch am Live at Sunset beim Dolder in Zürich, wo die Besucherzahl im Vergleich zum Vorjahr um ein Drittel von 30 000 im Vorjahr auf 20 000 zurückging. Der Veranstalter Impact Music wollte zu Ergebnis und Zukunft keine Auskunft geben.

Am Montreux Jazz Festival und am Blue Balls in Luzern blieb der Ticketverkauf bei den Indoor-Konzerten im normalen, zufriedenstellenden Rahmen. Der Open-Air-Bereich brach aber wetterbedingt an beiden Orten ein. Am Jazzfestival sank die Gesamtzahl der Besucher von 250 000 auf 210 000. Im Bereich Food & Beverage, der ein Viertel des ganzen Festivalbudgets ausmacht, sei 10 Prozent weniger verkauft worden als in durchschnittlichen Jahren. Am Blue Balls ging der Verkauf der Pins für den Outdoor-Bereich um 20 Prozent zurück. Dazu kommt in Luzern, dass der Hauptsponsor AXA Winterthur ausgestiegen ist und nicht ersetzt werden konnte.

Zum ersten Mal durchgeführt wurden das Festival Rock The Ring in Hinwil und das Dancefestival Isle of Dreams in Basel. Während der Start in Hinwil mit 23 000 Besuchern trotz Fussball-WM, aber idealen Wetterbedingungen zufriedenstellend verlief, litt vor allem das Dancefestival Isle of Dreams unter der akuten Marktübersättigung. Die hochgesteckten Ziele für das mit den Superstars Avici, David Guetta und Calvin Harris hochkarätig besetzte Dancefestival wurden an diesem Wochenende in Basel verfehlt. Statt der erhofften 20 000 bis 25 000 Zuschauer pro Tag tanzten während der drei Tage insgesamt nur gegen 26 000 in der Halle St. Jakob.

Wie Arnold Meyer vom Veranstalter bestätigt, schreibt der Anlass einen deutlichen Verlust. Trotzdem plant der deutsche Veranstalter Marcel Avram in der Schweiz auf mehrere Jahre.

Auffällig ist, dass vor allem die Festivals mit Eintages-Events und Eintagesstruktur zum Teil massiv eingebrochen sind und rote Zahlen schreiben. Die arrivierten grossen Open Airs wie St. Gallen, Greenfield Interlaken, Frauenfeld, Gurten, Heitere und Paléo Nyon – also jene Festivals, die ein umfassendes, mehrtägiges Open-Air-Erlebnis mit Camping und Übernachtungsmöglichkeiten auf dem Festivalgelände anbieten – haben dagegen alle keine Einbussen erlitten. Dabei waren die meisten auch von schlechtem Wetter betroffen.

Die Unterschiede haben mit dem Zielpublikum zu tun. Die grossen etablierten Open Airs können auf ein treues, jugendliches Publikum zurückgreifen, das weitgehend witterungsresistent ist. Jene Festivals, die auf ein älteres Publikum zielen, haben es ungleich schwerer. «Das ältere Publikum ist – ausser bei ganz grossen Namen – zurückhaltender, wartet die Wettersituation ab und entscheidet kurzfristig», sagt Christoph Bill, Heitere-Chef und Präsident des Verbands der Schweizer Konzertveranstalter (SMPA).

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