Von Urs Arnold

Als Teil der Jubiläumsfeierlichkeiten lancieren die Solothurner Filmtage das neue Online-Portal «CH-Film». Mit ihm will das Festival seine Rolle als Vermittler noch stärker wahrnehmen. «Viele Leute wenden sich bezüglich Filminformationen an uns. Wir beschlossen deshalb, unsere Daten öffentlich zu präsentieren», legt Filmtage-Direktorin Seraina Rohrer die Grundidee dar.

«CH-Film» ist einerseits als Recherche-Tool gedacht: für Filmfans, Schüler, Pädagogen oder für Branchenleute. Andererseits soll es niederschwellig den Schweizer Film einer breiten Masse näherbringen. Um sie zu erreichen, gingen die Filmtage eine Kooperation mit der Kino-Website Cineman.ch ein, die hierzulande Grösste ihrer Gattung. Seit 1999 hat die Website ihrerseits eine grosse Menge an Informationen zum Schweizer Film gesammelt, etwa im Bereich von Trailern und Filmkritiken.

Auf «CH-Film» präsentieren sich diese Daten verquickt mit denen der Filmtage und mit aktuellen Kino- und TV-Terminen, in einigen Fällen angereichert mit runterladbarem Schulmaterial. Das neue Portal ersetzt die Datenbank «filmsearch.ch», die 2011 von den Filmtagen ins Leben gerufen wurde und lediglich mit Cineman.ch verlinkt war. «CH-Film» dagegen ist neben der Adresse www.ch-film.ch auch über einen auf www.cineman.ch prominent gesetzten Reiter direkt zugänglich.

Die Suchoptionen auf «CH-Film» sind vielfältig. So kann neben Titel und Filmschaffendem nach Genre und Zeitabschnitten gesucht werden, oder etwa nach Filmfirmen, deren Adressen alle hinterlegt sind. Ein Epochen-Explorer lässt behände durch die Schweizer Filmgeschichte klicken, während der «Zufalls-Trailer» dem Benutzer einen beliebigen Film zuschanzt. «Uns war es wichtig, dass man auf dem Portal auch einfach auf Entdeckungsreise gehen kann», sagt Rohrer zu dieser Spielerei.

Innovativ ist am Portal aber vor allem die Suche nach Schlagwörtern. 209 wurden definiert, von A wie Abenteuer über B wie Bünzli bis Z wie Zweiter Weltkrieg. Die Wörter sind wie die Inhalte selbst in Deutsch, Französisch und Englisch abrufbar. Auf Basis dieses Katalogs versah Rohrers Team alle in Solothurn gezeigten Schweizer Langfilme der letzten zehn Jahre mit den adäquaten Etiketten.

Zu diesen 800 Langfilmen wurden 400 ältere Schweizer Filme ausgewählt und mit Schlagworten versehen, bis zurück ins Jahr 1952. Bei der Bestimmung dieser Werke lag das Augenmerk auf Klassikern sowie prägenden oder pädagogisch wertvollen Filmen. Erweitert sieht sich der Fundus mit einigen Kurz- und Fernsehfilmen sowie mit minoritären Koproduktionen. So ist auch das Monumentalwerk «Cleopatra» einer von 1675 Filmen, die in «CH-Film» hinterlegt sind.

Nicht Die gesamte Schweizer Filmgeschichte ist auf «CH-Film» präsent. «Wir strebten diese Vollständigkeit auch nicht an», so Rohrer. «Jedoch präsentiert die Datenbank die letzten zehn Filmjahre ziemlich lückenlos und wird in Zukunft stetig erweitert werden.» Eine Partnerschaft mit der Cinémathèque suisse ist im Bereich Bildmaterial im Gang. Auf das Frühjahr hin wird zudem die Promotionsagentur Swiss Films Infos über Festivalteilnahmen und Auszeichnungen einbringen.

«Visages d’enfants» (1923). Der Stummfilm von Jack Feyder gilt als das erste Meisterwerk der Schweizer Filmgeschichte. Mi, 28. 1., 14 Uhr, Palace.

«Die Herbstzeitlosen» (2006) von Bettina Oberli gehört zu den erfolgreichsten Schweizer Filmen. Di, 27. 1., 20.30 Uhr, Palace.

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