Es ist das Jahr von Beatrice Egli. Die Gewinnerin von «Deutschland sucht den Superstar» (DSDS) ist nicht nur die mit Abstand erfolgreichste Schweizer Musikerin, in ihrem Heimmarkt hat sie auch internationale Superstars wie Robbie Williams, Bruno Mars und Justin Timberlake hinter sich gelassen. In Zahlen: Von ihrem Erfolgsalbum «Glücksgefühle» hat sie gemäss Angaben des Labels Universal in der Schweiz gegen 35 000 Einheiten verkauft. Dazu kommen über 360 000 Alben in Deutschland, über 25 000 in Österreich und rund 2500 in Belgien. Und auch ihr neustes Album «Pure Lebensfreude» verkauft sich prächtig. Vier Wochen nach der Veröffentlichung hat das Album bereits locker die Goldmarke von 10 000 verkauften Einheiten geknackt. Dazu kommt die Single «Mein Herz», die in der Schweiz über 31 000-, in Deutschland über 220 000- und in Österreich über 17 000-mal heruntergeladen wurde.

Ein sicherer Wert in den Schweizer Jahreshitparaden ist DJ Antoine. Seine Single «La Bella Vita» ist über 40000 herunter geladen worden und ist damit der erfolgreichste Schweizer Song 2013. Nach «Ma Chérie» im Vorjahr stammt der Song des Jahres erneut von Antoine. Dazu kommt das Album «2013 – Sky Is The Limit» das 30 000-mal abgesetzt wurde.

Dahinter folgt Bligg mit seinem «Service Publigg», der die Platin-Marke von 20 000 verkauften Alben hinter sich gelassen hat und Antoine schon in den nächsten Wochen überholen wird.

Beachtlich haben sich 2013 auch Krokus mit «Dirty Dynamite» gehalten. In der Schweiz hat die Solothurner Band die Platinhürde genommen und ist die mit Abstand erfolgreichste Schweizer Rockband. Auch international hat sich das Album gegen 50 000-mal verkauft. Gemäss Produzent und Bassist Chris von Rohr werden pro Jahr weltweit um die 10 000 Alben aus dem Backkatalog verkauft. Und im Januar gibts für das Erfolgsalbum «Metal Rendez-Vous» die vierfache Platinauszeichnung.
Die Überraschung des Jahres sind aber die «Schwiizergoofe», die mit ihrem Debüt Platin für 20 000 verkaufte Einheiten erreicht haben und mit «Schwiizergoofe 2» auch schon wieder vor der Goldmarke stehen.

Ein erfreuliches Jahr ist es auch für Rapperin Steff la Cheffe, die mit «Vögu zum Geburtstag» Gold und mit «Ha keh ahnig» (21 000) einen der erfolgreichsten Schweizer Songs des Jahres geliefert hat.

Spürbar verbessert hat sich in diesem Jahr der Frauenanteil. Im letzten Jahr schaffte es kein Album einer Schweizer Musikerin in die Top 10. Jetzt sind es immerhin drei und sogar acht Alben in den Top 20. Der gesamte Schweizer Frauenanteil in der Hitparade stieg von 18 auf gut 22 Prozent.

Die quantitative Auswertung der Schweizer Hitparade durch die «Schweiz am Sonntag» zeigt, dass in diesem Jahr 129 Alben (Vorjahr 128) von Schweizer Musikern und Musikerinnen in den Top 100 und 69 Songs (Vorjahr 57) in den Top 75 platziert waren. Damit wurden die Rekordwerte von 2012 noch einmal verbessert. Das heisst: Noch nie waren so viele Schweizer Titel in der Schweizer Hitparade platziert. Die Popularität von Schweizer Musik ist also ungebrochen.

Der Anteil von Schweizer Musik in den Schweizer Charts ist dagegen gegenüber dem Rekordjahr 2012 etwas zurückgegangen. Bei den Alben von einem Anteil von 18,5 auf 16 Prozent und bei den Singles von 11,9 auf 8 Prozent. Das bedeutet: Es waren zwar mehr einzelne Titel in der Hitparade vertreten, sie waren aber insgesamt nicht mehr so gut und so lange platziert wie im Vorjahr.
Überhaupt war 2013 für den Schweizer Tonträgermarkt kommerziell erneut ein schlechtes Jahr. Gemäss Ifpi Schweiz ist das Gesamtvolumen abermals markant zurückgegangen (siehe Artikel unten). Der Rückgang wird auch bei der Anzahl von Gold- und Platin-Auszeichnungen deutlich. Obwohl die Richtwerte in diesem Jahr nach unten korrigiert wurden, ist die Ausbeute relativ klein. Zu den fünf Platin-Auszeichnungen (20 000 verkaufte Einheiten) kommen nur noch fünf Gold-Auszeichnungen (10 000 verkaufte Einheiten).

Wie harzig der Verkauf in diesem Jahr verlief, zeigt sich vor allem an arrivierten und populären Musikern wie Bligg. Sein Erfolgsalbum «Bart aber Herzlich» wurde 2010 in den ersten drei Wochen 60 000-mal verkauft, «Service Publigg» nur noch 20 000-mal. Aber auch Bastian Baker, Baschi und Adrian Stern haben Mühe, die Verkaufszahlen der erfolgreichen Vorgänger zu erreichen.

Chris von Rohr relativiert die düstere Bilanz. «Es ist nicht unbedingt ein schlechtes Jahr», sagt der Produzent und Bassist von Krokus, «sondern weltweit einfach eine neue Situation. Wir sind im Umbruch und der Trend wird klar so weitergehen. Das Business wird vor allem live gemacht». Es habe aber «auch sein Gutes, denn das inflationär verbreitete Mittelmass» werde «endlich weggespült». «Neue Bands müssen sich wieder wie in den Sixties wirklich den Allerwertesten aufreissen und zeigen, dass sie es wegen der Musik und nicht wegen des Erfolgs machen», sagt von Rohr weiter, «das kann nicht schaden.»

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