Von Benno Tuchschmid

Die Konfetti-Kanone ist gierig. Ein Studioangestellter versucht verzweifelt, sie mit genügend lila glitzernden Schnipseln zu speisen. Die Maschine saugt und saugt und verteilt die Konfetti in einer Fontäne über Beatrice Egli und ihren Gästen, die sich auf der Bühne gerade zum Show-Finale vor ihrem Publikum verneigen.

Es ist ein Freitagabend im Juni – im Studio 9 der Bavaria Films in München geht eine dreistündige Aufzeichnung zu Ende. «Beatrice Egli – Die grosse Show der Träume». Die erste eigene Samstagabendkiste. Eineinhalb Stunden zur besten Sendezeit bei ARD und SRF für den Schweizer Schlagerstar. Es ist das Eintrittsticket in den Schlager-Olymp.

Egli strahlt. Die Fans jubeln. Die Konfetti-Maschine will mehr Konfetti.

Die vom Bayerischen Rundfunk und dem Schweizer Fernsehen SRF produzierte Show ist massgeschneidert auf die 27-jährige Schwyzerin. Eine musikbeladene Unterhaltungssendung, durchzogen von aufs Herz der Zuschauer zielenden Einspielern, in denen Beatrice Egli jauchzend Newcomer in ihre Sendung einlädt. «Meine Show ist deine Show!», sagt sie. Dazwischen musikalische Gäste von Schlager-Alt-Star Howard Carpendale über den Hütten-Rocker Andreas Gabalier bis zum Eurovision-Song-Contest-Gewinner Måns Zelmerlöw. Und vor allem natürlich: drei Songs von Beatrice Egli.

«Ich lebe meinen Traum», sagt Egli und unterstreicht die Aussage mit ihrem Markenzeichen: dem lauten, fröhlichen Lachen. Neun Tage vor der Aufzeichnung sitzt sie in einer Suite eines Zürcher Luxus-Hotels und ist nach fünf Stunden Journalisten-Marathon noch immer: laut und fröhlich. Vor zwei Jahren hatte sie der Gewinn der Casting-Show «Deutschland sucht den Superstar» in die Spitzenpositionen der Hitparaden des deutschsprachigen Europas spediert. Heute wirkt Egli, als wäre sie im Rampenlicht geboren. Ihre Antworten sind charmant verpackte Allgemeinplätze. Sympathisch, aber auch unangreifbar. Die Show sei zwar wichtig für ihre Karriere, aber vor allem soll es «ein freudiger Abend werden. Emotional wie ich selber».

Es ist wohl eher umgekehrt. Denn für die Karriere von Egli ist die Show von zentraler Bedeutung. Und ihrer Karriere ist in Eglis Leben fast alles untergeordnet.

Eglis Manager Volker Neumüller sagt: «Beatrice ist in der Königsklasse angelangt.» Jetzt soll sie in der Königsklasse bleiben. Und da spielt der TV-Abend am kommenden Samstag eine wichtige Rolle.

Der 45-jährige Neumüller war einmal Juror bei «Deutschland sucht den Superstar» und zitiert Frank Farian: «Wer ehrlich ist, kann sich nicht verraten.» Er ist der Mann, der im Projekt Beatrice Egli die Konfetti-Kanone füttert.

Egli gehört heute zu den Top-3-Schlagersängerinnen im deutschsprachigen Markt. Nummer eins ist unumstritten Helene Fischer, nach einer grossen Lücke folgen ihr die alternde Andrea Berg und Beatrice Egli. Mit ihrem neusten Album «Bis hierher und viel weiter» erreichte Egli in der Schweiz Platz 1, in Deutschland und Österreich Platz 3 der Album-Charts. Es gibt im deutschsprachigen Raum keine erfolgreichere Schweizer Sängerin. Ihr Stil entspricht modernem Pop-Schlager, mit dem sie sowohl die klassischen Schlagerfans erreicht als auch ein jüngeres Pop-Publikum anspricht.

Egli gehört zu der neuen Sorte Schlagersängerinnen, für die die Musical-Sängerin Helene Fischer der Prototyp ist: handwerklich top ausgebildete Profi-Entertainerinnen. «Meine Schauspiel-Ausbildung ist das Beste, was mir passieren konnte», sagt Egli. Mühelos strahlt sie sich durch den komplexen Ablauf der Show. Die Interviews mit ihren Gästen wirken zuweilen fast zu perfekt, wie Dialoge in einem Singspiel. In den Drehpausen wendet sie sich ans Publikum, das aus in Beatrice-Pullover gekleideten Fan-Club-Mitgliedern, klassischen, mittelalterlichen Schlagerfans, aber auch Münchner Grossstadt-Teenagern besteht.

Eglis Geheimnis: Alles wirkt entspannt, alles wirkt spontan, alles wirkt frisch. Der Eindruck täuscht. «Ich nehme es nicht locker und easy», sagt Egli.
Sie spüre den Druck, der diese Sendung bedeute. Ihr Umfeld bezeichnet Egli als harte Arbeiterin. «Diesen Job hältst du nur mit Disziplin durch. Keine Zigaretten, keinen Kaffee, keinen Alkohol», sagt Manager Neumüller. Schlagerstars würden heute eher wie Spitzensportler leben. Vorbei die Zeiten, in denen die Stars der Schlagerbranche ihre Songtitel wie «Griechischer Wein» und «Fiesta Mexicana (hossa!)» allzu wörtlich nahmen.

«Beatrice hat einen enormen Ehrgeiz», sagt ihr Manager Neumüller. Es ist ein Ehrgeiz, der wohl auch durch die typische Künstlerangst genährt ist, dass schon morgen alles vorbei sein könnte. Deshalb gewinnt Egli sogar einem bis im Herbst 2016 gefüllten Terminkalender etwas Positives ab. «Der Terminkalender gibt mir Sicherheit, dass es weitergeht», betont sie. Volker Neumüller sagt, es bleibe immer eine Unsicherheit. «Letztlich hängt alles vom Erfolg ab: Denn die Leute müssen es sehen wollen.»

Die Konfetti-Maschine muss gefüttert werden.

«Beatrice Egli – Die grosse Show der Träume» am 4. Juli, 20.10 Uhr auf SRF 1.

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