Ähnlich verhält es sich bei anderen Sparten. Beim Theater werden neben den drei Hauptpreisen und zwei Schauspielpreisen fünf Schweizer Theaterpreise vergeben. Und in der Kunst sind es neben den drei Hauptpreisen zehn Swiss Art Awards. Noch krasser ist es beim Design, wo es neben den drei Hauptpreisen zwanzig Swiss Design Awards gibt. Wie viele dieser Preisträger kennen Sie oder können Sie nennen?

. . . Eben.
Bisher waren die BAK-Preise auf Kunst, Design und Film beschränkt. Seit das Kulturförderungsgesetz in Kraft ist, werden Preise auch in den Sparten Literatur, Theater, Tanz und Musik vergeben. Wie die BAK-Direktorin Isabelle Chassot der «Schweiz am Sonntag» erklärte, sollen die Sieger durch die Preise «nationale Aufmerksamkeit erhalten».

Das Problem ist aber, dass die meisten Sparten gleich einen ganzen Strauss von nationalen Preisen verteilen. Das neue Gesetz hat zu einer Flut von nationalen Kulturpreisen geführt. Nationale Preise, die in Konkurrenz zu den unzähligen kantonalen, kommunalen und privaten Kulturpreisen stehen. Ein Wirrwarr, ein Dickicht, in dem kaum jemand noch den Durchblick hat. Was ist eigentlich der Zweck? Förderung oder Würdigung? Welche Rolle spielt das Kommerzielle? Macht es zum Beispiel Sinn, Stardesigner wie Alfredo Häberli mit 40 000 Franken zu würdigen? Nötig hat er es sicher nicht.

Aber vor allem: Die Flut an Kulturpreisen überfordert und ist kontraproduktiv. Im Bestreben, es allen recht zu machen, die Sprachregionen zu berücksichtigen, werden die Grands Prix in gut eidgenössisch-föderalistischer Manier mit der Giesskanne ausgeschüttet. Die Wirkung, die die nationalen Preise eigentlich erzielen wollten, verpufft, die nationalen Kulturpreise entwerten sich selbst.

Dass es auch anders geht, zeigt der eben vergebene Grand Prix Musik. Da gibt es keine stilistische Segmentierung, keine Aufsplitterung in Regionen und Geschlechter. Nur einen grossen und würdigen Sieger: den Young-Gods-Sänger Franz Treichler. Wetten, dass Sie ihn auch in einem Jahr noch kennen?

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