Mit Elvis fing alles an. Dann die Shadows, Beatles, Stones und Bob Dylan. Toni Vescoli hat sie alle erlebt und als Musiker und Sänger die Schweizer Rock- und Popgeschichte entscheidend geprägt. 1962 gründete er Les Sauterelles, die erste professionelle und bedeutendste Beatband der Schweiz. Die erste Popband, die mit «Heavenly Club» Platz 1 der Schweizer Hitparade erreichte, einen internationalen Hit landete und unter der Marke «The Swiss Beatles» zum ersten Exportschlager der Schweizer Popgeschichte avancierte.

Der heute 72-jährige Toni Vescoli ist ein Pionier. DER Pionier der Schweizer Rock- und Popmusik! Mehr noch als Mundart-Legende Polo Hofer. Denn tatsächlich war es Vescoli, der 1971 als erster Mundartsongs im Rock- und Popgewand schrieb. Der erste Mundart-Popsong war das rockige «Dä Wilhelm Täll», gefolgt vom folkigen «Susann».

«Das will jetzt gar niemand hören, glaub mir das», liess ihn die Plattenfirma damals wissen. Doch Vescoli setzte sich gegen alle Widerstände durch. Sein «Pfäffli» wurde 1974 der erste Mundart-Popsong, der es in die offizielle Schweizer Hitparade schaffte. Und das, obwohl der Landessender Beromünster ihn aus religiösen Gründen boykottierte.

Jetzt hat Toni Vescoli seine Autobiografie «MacheWasiWill» geschrieben. Sein ganzes bisheriges Leben auf weit über 500 Seiten. Eine faszinierende Zeitreise, ein einzigartiges Zeitdokument zur Schweizer Kulturgeschichte. Denn Vescoli ist ein lebendiges Lexikon und ein Mann mit einem Elefantengedächtnis, der Tausende Geschichten aus seinem Leben und seiner Karriere detailgetreu abrufen kann. «Es ist zum verrückt werden», schreibt er, «aber dauernd kommen mir neue Geschichten in den Sinn, und ich kann doch nicht alle in das Buch hineinpacken.» Vescoli geht in seiner Autobiografie chronologisch vor, wobei sein zweites Ich «Anthony» dialogisch in die Erzählung eingreifen, korrigieren, bremsen oder ergänzen kann.

Die Geschichte von Toni Vescoli relativiert auch einiges. Sie entmystifiziert das Leben eines Popstars im Zeichen von Sex, Drugs and Rock ’n’ Roll. «In Sachen Drogen war ich ein Bünzli», sagt er, «hin und wieder habe ich zwar Gras geraucht. Das war aber alles.» Und vor allem war da sein Ruthli. Im Alter von 23 Jahren hat er sie lieben gelernt und ist ihr bis heute treu geblieben. «Sie war immer dabei, ist immer gefahren und hat alles miterlebt und mitgelebt», sagt er.

Toni und Ruthli, das ist im Popbusiness eine einzigartige, rührende Liebesgeschichte. «Ich bin das beste Beispiel, dass man in diesem Geschäft auch ein ganz normaler Mensch sein kann», sagt Vescoli dazu. Aber vielleicht ist gerade das sein Erfolgsgeheimnis.

Toni Vescoli: MacheWasiWill, Cereus.
Erscheint am 26. 9. Konzerte und musikalische Lesungen auf www.vescoli.ch

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