Elizabeth McCord ist gerade im Stall am Ausmisten, als der Convoy des US-Präsidenten vorfährt. Präsident Dalton muss nach dem Flugzeugabsturz seines Aussenministers den Posten neu besetzen. Er will McCord, denn die Professorin für Polit-Wissenschaften war einst sein Protegé und eine begnadete CIA-Analytikerin, bevor sie sich für eine familienfreundlichere Berufs-Laufbahn als Akademikerin entschied. McCord ist überrumpelt, aber nimmt schliesslich den schwierigen Job an. Erste Aufgaben: Staats-Dinner mit dem Regierungs-Chef und seinem Harem aus Swasiland sowie zwei amerikanische «Wander-Touristen» aus syrischer Gefangenschaft freibekommen, Code-Name dafür: «Operation: Stupid Kids».

«Madam Secretary» von Barbara Hall («Joan of Arcadia») serviert einerseits leichte Washington-Kost mit einer Prise Verschwörungstheorie angereichert (war der Flugzeugabsturz des Aussenministers wirklich ein Unfall?) und andererseits seriös gemeinte Versuche, jede Woche neue Kompromisse für komplexe Situationen zu finden – sei es auf dem internationalen Politparkett oder innerhalb der gut eingespielten, aber immer wieder geforderten McCord-Familie.

Die zweite Episode mit dem Titel «Ein weiteres Benghazi» befasst sich entsprechend mit einer Krise in einer US-Botschaft und dem Protest-Aktivismus der ältesten McCord-Tochter an ihrer Uni. Téa Leoni («Jurassic Park III»), die einen als Madam Secretary/Mutter McCord schnell für sich gewinnt, findet gerade die private Seite einzigartig: «Mächtige Frauen in der Politik oder in der Wirtschaft werden in Serien oft mit einem katastrophalen Privatleben dargestellt», meint sie mit einem Seitenhieb an ihre Kolleginnen aus «Scandal», «Political Animals» oder «The Good Wife». «Deshalb sind Elizabeth und Henry McCord als TV-Paar aussergewöhnlich und als Konzept reizvoll.» Henry McCord, gespielt von Tim Daily, ist ebenfalls Professor mit einer Polit- und Militärvergangenheit und der ruhende Anker zu Hause. Leoni und Daily haben während der 22 Episoden ihre Rollen dermassen verinnerlicht, dass sie inzwischen auch privat ein Paar geworden sind.

Ist es der Hillary-Clinton-Effekt, der die Flut an TV-Serien über Frauen in der Politik verursacht? Nicht nur: Die Facetten reichen von der komödiantisch ungeschickten Vize-Präsidentin Selina Meyer, dargestellt von Julia Louis-Dreyfus in «Veep», bis zur eisigsten aller düsteren First Ladys, Claire Underwood (Robin Wright) in «House of Cards». Als Inspiration für «Madam Secretary» liess Téa Leoni zwar den «Charme und die Schlagfertigkeit von Hillary Clinton» auf sich wirken, schielte aber auch auf den «Mut . . . und die Beine von Condoleezza Rice».

Den persönlichen Input bekam sie indes von der ersten der drei US-Aussenministerinnen, Madeleine Albright: «Ich habe mich mit ihr zum Kaffee getroffen. Ich behauptete, mein erstes Kind nach ihr benannt zu haben und nach Absprache mit meiner Tochter bleibt das jetzt unsere offizielle Version», scherzt die Schauspielerin. Die beiden unterhielten sich auch über die Geschlechter-Beziehung in Washington. «Während ihres Bestätigungsverfahrens waren Bedenken da, dass sie es als Frau schwer in anderen, vor allem arabischen Ländern haben könnte. Wie sich herausstellen sollte, hatte sie aber am meisten Probleme mit Männern in ihrem eigenen Land und nicht mit jenen im Nahen Osten. Was mich letztlich am meisten an ihr beeindruckte war, dass sie nebenbei zwei sehr erfolgreiche und ausgeglichene Töchter grossgezogen hat.»

Während die Filmstudios nach wie vor hauptsächlich auf männliche Superhelden setzen und erstaunt sind, wenn die Frauen-Gesangskomödie «Pitch Perfect 2» vor «Mad Max: Fury Road» an der Kinokasse rangiert, bauen die Frauen am Fernsehen ihre Vormachtstellung immer weiter aus. Die grössten neuen Hits der gerade beendeten amerikanischen TV-Saison sind frauen-fokussierte Serien. Dass «frau» politisch auch übers Ziel hinausschiessen kann, zeigt indes «State of Affairs»: Ex-«Grey’s Anatomy»-Ärztin Katherine Heigl spielt darin eine CIA-Analytikerin, die für die täglichen Geheimdienst-Briefings der US-Präsidentin (Alfre Woodard) verantwortlich ist. Die Serie um das unrealistische Frauenpower-Duo wurde nach den ersten dreizehn Episoden wieder eingestellt.

«Madam Secretary» läuft ab 1. Juni auf SRF 2, 20.45 Uhr.

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