Es geht in diesen Zeilen um den Satz «Ausverkauft gibt es nicht», wie ich anlässlich der «völlig ausverkauften» Zürcher «Anna Bolena» mit Anna Netrebko angekündigt hatte.

Das Wichtigste – und anlässlich des Wiener Neujahrskonzertes schon mal erwähnt: Vergessen Sie bei einer solchen Vorstellung jede Opernromantik. Für «Anna Bolena» (heute und am 2. 4.) kann man nicht sozial, verliebt oder verträumt sein. Man will einfach rein. Oder halt nicht. Einst brüskierte ich in Rom zwei allerbeste Freunde, als wir ohne Karte vor dem Opernhaus standen und ich ihnen sagte: «Wir müssen uns trennen, drei Karten finden wir nie», worauf Giacomo spottete: «Jetzt wirft er sich gleich heulend vor der Kasse auf den Boden.» Wie oder was auch immer: Ich war drin.

Heute, in Zeiten, wo man die Kasse grösstenteils umgehen kann, tauchen online immer wieder kurzfristig Karten auf. Am Montagmorgen, 21. 3., bei einem Blick auf die Zürcher Opernhaus-Website, gab es erneut eine «Anna Bolena»-Karte für den 22. 3. Am vorletzten Freitag waren es um 11 Uhr gar vier. Am Abend dann sassen neben mir zwei Platzanweiserinnen – will heissen: Diese zwei Plätze waren leer geblieben. Nach der Pause sass auf einem von ihnen Dieter «Yello» Meier. Der andere blieb verwaist.

Der Fall zeigt: «Ausverkauft» heisst nie, dass ein Theater voll ist. Früher gab es in Zürich in der in der dritten Reihe der 1.-Rang-Loge 9 drei Stühle. An der Kasse verkauft wurden zwei. Es war unser studentischer Last-Minute-Platz. Solche kleinen Geheimnisse kennt jedes Opernhaus der Welt.

Nun aber zu den Salzburger Unwettern. Regen half mir, da dann die Leute einen Mantel anhatten. Geht jemand vorzeitig heim, muss er erst an die Garderobe. Dort stehen Sie . . . und bitten um die Karte.

Und hier noch ein Rückkommensantrag . . . Trotz Online-Verkauf kann das Belagern der Kasse, dieser undurchsichtigen Burg hinter Glas, am Aufführungstag immer noch Erfolg bringen. Hier muss ja auch einer vorbeikommen, der eine Karte zu verkaufen hat. Sobald Sie aber die Kassiers nerven, haben Sie verloren. Dann helfen nur noch Beziehungen nach ganz oben. In der Loge des Intendanten gab es am 20. 3. vier freie Plätze.

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