Die Erwachsenen streiten: Das Schweizer Fernsehen zeigt Filme über die Schweizer Geschichte, doch keine Frau spielt in «Die Schweizer» eine Hauptrolle. Deshalb sind viele Frauen sauer. Wenn sich die Erwachsenen streiten, fragen sich die Kinder: Wo bleiben wir? Hier die zwei berühmtesten Kinder der Schweiz:

Walter Tell ist der Sohn eines Armbrustschützen und lebte um 1300 in Bürglen UR. Damals herrschte dort der grausame Vogt Hermann Gessler. Dieser liess eines Tages in Altdorf seinen Hut auf einer Stange aufstellen. Jeder musste diesen grüssen. Doch Walter ging mit seinem Vater Wilhelm an der Stange vorbei, ohne zu grüssen. Da wurde der Vogt wütend und zwang Papa Tell, mit seiner Armbrust einen Apfel abzuschiessen. Da wäre nichts dabei, denn Wilhelm Tell war ein sehr guter Schütze. Doch der Vogt Gessler wollte, dass der Apfel auf dem Kopf des armen Walter stehen muss. Vater Tell legt an, zielt, und trifft! Gessler verhaftet Tell trotzdem. Doch dieser entkommt und tötet den bösen Vogt. Walter wurde später wie sein Vater als Held gefeiert. Über ihn wurden Bücher geschrieben und Pfadfindergruppen schmücken sich noch heute mit seinem Namen.

Heidi, das berühmteste Mädchen der Schweizer Geschichte, lebte 500 Jahre später. Das Waisenkind wohnte bei seinem Grossvater auf der Alp, wo es mit seinem besten Freund, dem Geissenpeter, Abenteuer erlebte. Eines Tages muss Heidi mit ihrer Tante nach Frankfurt reisen, wo sie der gelähmten Klara im Haushalt helfen soll. Vor Heimweh wird sie krank und darf schliesslich wieder auf die Alp zurück. Dort bringt sie ihrem Grossvater das Lesen bei. Als Klara sie besucht, lernt sie an der Bergluft wieder zu gehen. Ein Happy End dank Heidi. Über sie gibt es Bücher, Comics, Filme und ein Musical. Aber Heidi hat es nie wirklich gegeben. Sie ist eine Erfindung der Schriftstellerin Johanna Spyri. Doch auch die Geschichte von Walter und seinem Vater Wilhelm hat wahrscheinlich nie stattgefunden. Denn zum ersten Mal aufgeschrieben wurde sie erst über 160 Jahre später. Vorher wurde sie von Mund zu Mund weitergegeben. Und da sind einige Fehler passiert. Zudem kennen andere Länder ähnliche Helden-Erzählungen. Vielleicht übernahmen die Schweizer die Geschichte einfach, weil sie so spannend ist. Ob es sie nun gab oder nicht. Heidi und Walter gehören vor allem zur Schweizer Geschichte, weil jedes Kind sie kennt und von ihnen etwas darüber lernen kann, wie die Schweizer früher gelebt haben.

Ganz vergessen hat das Schweizer Fernsehen die Kinder nicht. Es zeigt Zeichentrickfilme mit Geschichten der Schweiz.

«Helveticus»: Montag, 4. November, bis Freitag, 29. November,
9.00 und 17.30 Uhr, SRF 1

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