Gestern heiratete Prinzessin Madeleine von Schweden Chris O’Neill in Stockholm. Heute steht es in allen Zeitungen. Auch in dieser auf Seite 10. Dabei haben Könige und Königinnen längst aufgehört zu regieren. Nur noch eine Handvoll Länder kennen das undemokratische System, in dem einer alles und alle anderen nichts zu sagen haben. Je weniger Könige es gibt, desto mehr scheinen sich die Menschen für sie zu interessieren. Das Brautkleid von Kate Middleton, die am 29. April 2011 Prinz William von Grossbritannien heiratete, hat sogar einen eigenen Wikipedia-Eintrag. Die Informationen über die verwendeten Stoffe, die Wirkung des weissen Wunderwerks und über die Spekulationen im Vorfeld sind mit 28 Fussnoten belegt. Denn über die «Royals» schreibt ein Heer von Journalisten. Was macht die Faszination der Königshäuser aus? Hier drei Erklärungsversuche:

> Die Menschen mögen Märchen. Jedes Kind hört Märchen von hübschen Prinzessinnen und gerechten Königen. Das höchste aller Gefühle ist, wenn sich ein Frosch in einen Prinzen verwandelt. Darum mögen wir die Royals.

> Politik ist viel komplizierter als das Leben von Königinnen und Prinzen. Weil viele Leute mitreden wollen und auch dürfen, ist die Politik kompliziert geworden. Viele verfolgen darum lieber das Liebesleben der Royals als eine Parlamentsdebatte.

> Symbolik wirkt. Die meisten Könige haben nichts mehr zu sagen. Doch sie inszenieren sich aufwendig. Dies macht vielen Menschen Eindruck.

> Die Königlichen geben sich volksnah. Die Prinzessinnen und Könige haben längst begriffen, dass sie von den demokratischen Gesellschaften nur noch geduldet werden. Benehmen sie sich zu arrogant oder streben wieder tatsächliche Macht an, könnte das Volk sie einfach abschaffen. Deshalb geben sie sich volksnah. Prinz Harry zog sogar in den Krieg, um zu beweisen, dass er nicht besser ist alles ein einfacher Soldat. Damit nimmt er Kritikern den Wind aus den Segeln.

Das wirkt nicht bei allen. An den Königshäusern kommt immer wieder Kritik auf. Denn ihr extravaganter Lebensstil kostet Millionen an Steuergeldern. Als der spanische König während der Krise auf Elefantenjagd ging, kam das bei den Spaniern sehr schlecht an. Trotzdem lesen die meisten gerne Geschichten aus dem Königshaus. Und sei es nur im Wartezimmer beim Zahnarzt.

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