Von Patrizio Minucci (15 Jahre)

An diesem schönen Herbsttag, morgens um 6.30 Uhr, ist Besammlung draussen auf der Strasse vor dem Auto. Zu viert, der Trüffelsucher Moreno Grilli, meine Eltern und ich, starten wir samt Hündin Emmi vom Dorf in der Region Le Marche, nahe des Meeres, wo wir wie immer die Herbstferien verbringen, ins Landesinnere.

Ausgerüstet mit hohen Stiefeln, einer gegen Nässe schützenden Kleidung und ausreichend verpflegt, führt die Fahrt zuerst auf einer gut ausgebauten Landstrasse durch die weite, hügelige Landschaft, mitten durch malerische Dörfer, an Weinbergen und Olivenhainen vorbei. Die Sicht von der Panoramastrasse auf die weiten Täler ist gewaltig.

Nach einer knappen halben Stunde Fahrt verlassen wir die Hauptstrasse, zweigen auf eine Nebenstrasse und dann auf einen Feldweg ab. Nach einer sehr holperigen Fahrt kommen wir am Waldrand an, wo wir das Auto parkieren.

«Ci siamo – da sind wir!», spricht Trüffelsucher Moreno, der von Beruf Fischer ist. Seine Leidenschaft gehört jedoch dem Trüffelsuchen, vor allem dem Tartuffo bianco, dem weissen Trüffel, der noch weit gefragter ist als der Tartufo nero, der schwarze Trüffel. Während es nämlich schon gelungen ist, den schwarzen Trüffel zu züchten, wächst der weisse immer noch nur wild.

Der Wald kommt mir vor wie ein Urwald: Da drin ist es feucht, von den hohen Bäumen tropft der Tau wie feiner Regen, der Boden ist matschig, ein feiner Nebel umhüllt uns, noch ist es nicht hell. Eine Stunde vor Sonnenaufgang darf man mit der Trüffelsuche beginnen. Schon sind andere Männer mit ihren Hunden da. Bilde ich es mir nur ein oder riecht es hier bereits nach Trüffeln?

Sofort nimmt die gutmütige Hündin die Spur auf. Sie riecht die Trüffel. Voller Begeisterung und Freude zieht sie im Zickzack vor uns her und steckt ihre feine Nase bis an den Bach. Mit starken Emotionen zeigt Emmi Moreno an, wenn sie beim Graben mit den Vorderbeinen einen guten Fund gemacht hat. Die Trüffel liegen manchmal nur wenige Zentimeter unter der Erde.

Wenn die Hündin angibt, heisst es schnell handeln, sonst verschwindet der Trüffel gar in Emmis Maul, denn nichts mag sie lieber als diesen Pilz. Das liegt den Lagotto Romagnolo, so heisst diese Hundeart, im Blut, und das hat sie während ihrer Ausbildung zur Trüffel-Hündin gelernt. Moreno kennt ihre Reaktion auf einen Fund genau. Denn Emmi drückt ihre Emotionen dann auf ihre ganz eigene Art aus. Dass sie nach einem Fund zur Belohnung ein saftiges Hunde-Leckerli bekommt, weiss sie.

Das Zusammenspiel der Hündin mit ihrem Herrchen beeindruckt mich sehr. Dass wir gegen Mittag den Wald gar noch mit einer recht grossen Ausbeute an weissen Trüffeln verlassen, rundet dieses aussergewöhnliche Naturerlebnis für uns alle bestens ab. Für Moreno bedeuten die Funde zudem ein sehr einträgliches finanzielles Geschäft.

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