In diesen Tagen erhalten Tausende Kinder zum ersten Mal eine Note für eine Prüfung oder einen Aufsatz. Schulnoten gibt es schon seit über 400 Jahren und sind nicht mehr aus der Schule wegzudenken. Heute drehen wir den Spiess für einmal um und benoten die Noten. Wie gut machen sie ihre Arbeit? Schulnoten sollen die Leistungen von Schülerinnen bewerten.

Das ist für zwei Dinge wichtig: Zum einen verrät die Note dem Lernenden, wo seine Stärken sind und wo er oder sie sich noch verbessern kann. Zum andern helfen sie Lehrern abzuschätzen, wer später welche Schule oder Ausbildung machen kann: Wer zu wenig gute Noten hat, darf später nicht ans Gymnasium oder wird nicht für eine Lehrstelle genommen.

Viele Forscher halten aber wenig von Noten. Es sei unfair, dass ein Lehrer bestimmen kann, was gut ist. Denn ob Schüler gut sind, hängt zu einem grossen Teil auch vom Lehrer ab. Und es ist nicht gerecht, wenn jemand sich selber Noten geben kann. Noten sind zudem oft nicht vergleichbar. So kann es sein, dass eine Schülerin mit dem gleichen Aufsatz in einer Klasse eine 5 und in der andern eine 4 bekommt. Je nachdem, wie gut die anderen Kinder sind und welche Leistung der Lehrer erwartet.

Einige Wissenschafter glauben, dass Noten nicht nur zeigen, wie ein Schüler gearbeitet hat, sondern auch bestimmen, wie er in Zukunft arbeitet. So könne es sein, dass Fritz für seinen allerersten Aufsatz eine 4-5 bekommt und sich dann denkt: «Aha, ich bin ein Viereinhalber-Schüler». Er glaubt nicht mehr daran, sich verbessern zu können und schreibt nun immer eine 4.5.

Es geht auch ohne Noten: In den unteren Stufen der privaten Rudolf-Steiner-Schule, aber auch in unteren Klassen in öffentlichen Schulen verschiedener Kantone gibt es statt Noten Beurteilungen. Die Lehrer schreiben einen Text zu jedem Schüler oder sagen ihm direkt, wo er sich noch verbessern kann. So kann verhindert werden, dass Fritz ein Viereinhalber-Schüler wird.

Trotzdem werden ab einer bestimmten Klasse in den allermeisten Schulen Noten vergeben. Dies liegt daran, dass Wissenschafter mit zusätzlichen Tests herausgefunden haben, dass Schüler mit guten Schulnoten auch tatsächlich mehr wissen, als solche mit schlechten Noten. Zudem hat man noch kein überzeugendes Mittel gefunden, wie man Leistungen messen kann und wie man Schülerinnen später in die verschiedenen Schulen einteilen sollte.

Schulnoten haben weder eine 6 noch eine 1 verdient. Sie haben sich seit Jahrhunderten bewährt und haben doch Schwächen. Das reicht für eine 4. Wichtig ist: Lasst euch von einer schlechten Note nicht entmutigen!

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