Von Ursina Staub

Bereits als junger Lehrer fand Reto Schaub: Texte wollen etwas bewirken und sind es wert, veröffentlicht zu werden. «Ich habe in meinem Unterricht nie nur fürs Reinheft oder den Papierkorb schreiben lassen», sagt der Heilpädagoge, der an der Oberstufe Cazis unterrichtet. Seit rund 40 Jahren gibt Schaub mit seinen Klassen das Schülermagazin «Speedy», vormals «Juniörli», heraus – und liefert Woche für Woche die Texte für die Kinder- und Jugendseite «Dein Sonntag».

«Schreiben», sagt Reto Schaub, «ist ein Handwerk, das man lernen kann.» Genau dies wollen die 34 Real- und Sekundarschülerinnen und -schüler, die bei ihm das Wahlfach Lern- und Arbeitstechnik belegen. Je zwei Jungjournalisten realisieren jeweils den Text für «Dein Sonntag». Wohlgemerkt: in ihrer Freizeit.

Während der Schulstunden finden zwar die Redaktionssitzungen statt und gibt Lehrer Schaub den Schreiberlingen das Rüstzeug mit auf den Weg. Die eigentliche Arbeit aber leisten die Jugendlichen nach Schulschluss und an den Wochenenden. Nicht nur während des Semesters, auch in den Ferien.

«Für die Schüler ist es nicht nur Arbeit», beobachtet Pädagoge Schaub. «Es ist auch Leidenschaft.» Und er betont: «Wir schreiben nicht auf Vorrat. Wir haben eine Deadline und arbeiten unter Zeitdruck.»

Professionell organisiert sind die Macher von «Dein Sonntag». Die Redaktionssitzungen leitet Chefredaktorin Malina, die 15-jährige Sina hat den Posten der Dienstchefin inne, und Katarina fungiert als Fotografin. So etwas wie Sommerloch ist der Redaktion fremd. Im Gegenteil: Die aufgeweckten Jugendlichen sprudeln nur so vor Ideen. «Wir mussten jedenfalls noch kein Thema ablehnen», weiss Chefredaktorin Malina. Hingegen der eine oder andere seine Vorstellung korrigieren: «Anfänglich dachten wir, wir setzen uns einfach hin und beginnen zu schreiben», erzählt Fotografin Katarina. «Doch wir begriffen schnell, dass das Aufwändigste die Vorrecherche ist und die Akkreditierung.»

«Manchmal ist es schwierig, an die Informationen zu kommen», hat der 16-jährige Andreas erfahren. Und gelernt: «Als Journalist muss man dickköpfig sein und dranbleiben.» Doch zuweilen sind die Bemühungen umsonst: Gerne hätten die Juniorjournalisten die Schlagersängerin Helene Fischer interviewt. Aber sie erhielten eine Absage.

Oder die Reporter erkennen, dass sie am Berg stehen – allerdings am falschen: So planten Joelle und Katarina die Reportage «Matterhorn bei Sonnenaufgang». Erst auf der Heimfahrt wurde klar, dass sie den falschen Gipfel abgelichtet hatten. Im Bericht wurde nichts beschönigt: «Dafür erhielten wir viele positive Rückmeldungen.»

Überhaupt Kritik: Gemeinsam werden die Texte besprochen, wird nach besseren Formulierungen gesucht, und nach Erscheinen gibt es eine Blattkritik. «Es geht eben um viel mehr als nur ums Schreiben», betont Reto Schaub. «Etwa darum, Ideen umzusetzen, einen Termin korrekt zu vereinbaren und einzuhalten und um Durchhaltevermögen.»

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