Von Tim Niederdorfer (15 Jahre)

Das Sprichwort «Morgenstund hat Gold im Mund» besagt, dass sich frühes Aufstehen lohnt, weil es sich am Morgen gut arbeiten lasse und Frühaufsteher mehr erreichen würden. Nach diesem Motto steht jeder Zweite früh auf, um den Tag ohne Hetze zu beginnen. Wir von der dritten Oberstufenklasse finden jedoch, dass wir erst so um neun Uhr richtig wach werden.

Deshalb wollten wir für unsere Staatskunde-Projektwoche, die wir im Februar 2015 im Bundeshaus durchführen, mit einer Volksinitiative samt Unterschriftensammlung für einen späteren Schulbeginn am Morgen kämpfen. Die Idee zu dieser Initiative stammte von Vanessa (15 Jahre). Auch sie hat ihre Not mit dem frühen Aufstehen. Auch für sie zählt jede Minute Schlaf. «Nur schon eine Viertelstunde mehr Schlaf würde eine spürbare Verbesserung bringen», meint sie. Leider musste unsere Initiative vom Verein «Schulen nach Bern», der uns und andern Schulklassen aus der ganzen Schweiz das Planspiel ermöglicht, für ungültig erklärt werden. Denn der Bund mischt sich nicht in die Schulzeitenproblematik ein. Dies ist eine Gemeindeangelegenheit.

Die Uni Basel hat in einigen Studien nachgewiesen, dass sich bei Kindern, wenn sie ins Teenager-Alter kommen, ihr Schlaf-wach-Rhythmus verändert. Das heisst: Teenager sind erst richtig wach um neun Uhr morgens, und die meisten können nicht vor 23 Uhr einschlafen. Deshalb findet die grosse Mehrheit unserer Klasse weiterhin, dass man uns Teenies die Schule nicht zur Qual machen sollte. Dieses Prinzip hat sich in Ländern wie Grossbritannien, Spanien, Deutschland und Italien längst bewährt.

Natürlich denken jetzt die Gegner des späteren Schulbeginns, wenn man am Morgen später Schule habe, müsse man abends bis um 17.00 Uhr oder länger statt wie bis anhin um 16 Uhr in die Schule gehen. Aber falsch! Es gibt eine einfache Lösung für dieses Problem: Man muss einfach nur die Mittagszeit kürzen oder gar eine Kantine in der Schule oder in der näheren Umgebung eröffnen. Also: Meine Freunde und ich machen in der Mittagszeit sowieso nichts Produktives. Und wenn wir den Mittag kürzen, haben wir nicht nur später Schule, sondern am Nachmittag auch früher frei und Zeit für unsere Hobbys!

Vielleicht kommt doch noch etwas Bewegung hinein in die Diskussion um den späteren Schulbeginn, denn nach Auskunft von Professor Dr. Christian Cajochen vom Zentrum der Chronobiologie der Universität Basel (www.chronobiology.ch) hat die Stadt Basel gerade beschlossen, dass keine Schule auf Stadt- respektive Kantonsgebiet vor acht Uhr beginnen darf. Dieser Entscheid sei aufgrund zahlreicher nationaler und internationaler Studien gefallen, die belegen würden, dass ein zu früher Beginn bei Jugendlichen zu erhöhter Tagesmüdigkeit, schlechter Stimmung und schlechteren Noten führen könne.

Was meinst du zum Thema späterer Schulbeginn? Bist du auch der Meinung von Malina, Giulia und Sina, Morgenstund sei ungesund, «weil es nichts bringt, so früh aufzustehen», und möchtest du auch das Schweizer Schulsystem so ändern, dass der Unterricht frühestens um acht Uhr beginnt? Wir freuen uns auf viele Pro und Kontra zu diesem für uns wichtigen Thema. Sendet sie per E-Mail an: tim.niederdorfer@s-n-b.educanet2.ch.

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