Stopp», ruft der grosse Mann in Uniform streng, «Sie dürfen hier nicht rein!» Oskar erschrickt. Ein Wachmann hindert seine Mami daran, mit ihm in einen der grossen Hörsäle der Universität Zürich zu gehen. Und das, obwohl Oskars Mami nicht nur das Gymi bestanden, sondern auch studiert hat.

Oskar hält sich am Ärmel seiner Mutter fest. In diesen riesigen Raum möchte er nicht alleine gehen. Schon in den Gängen des Uni-Gebäudes fühlte er sich unwohl. Erwachsene hasteten hin und her. Beinahe hätte ein grosser Mann mit Krawatte ihn überrannt. Er hat ihn nicht gesehen. Kein Wunder, schliesslich ist die Universität etwas für Erwachsene und Kinder sind hier selten.

Plötzlich hört Oskar seinen Namen. «Oskar! Neben mir ist noch ein Platz frei!» Andrea, die mit ihm in die 4. Klasse geht, winkt ihm von einer der hinteren Bankreihen zu. Und da sieht Oskar, dass der ganze Hörsaal voller Kinder ist. Die einen schauen schüchtern auf die riesige Leinwand. Andere spielen mit den Klappsitzen. Schnell springt Oskar die Stufen nach oben, denn der Professor steht schon am Rednerpult. In einem Vortrag mit vielen Bildern erklärt dieser, warum Mücken eigentlich stechen.

Vorlesungen für Kinder gibt es in der Schweiz schon seit einem Jahrzehnt. Sie finden im Rahmen von Kinderuniversitäten statt. Das sind Vorlesungsreihen, die zum Ziel haben, Kinder für die Wissenschaft zu begeistern. Dies soll freiwillig und ohne Druck geschehen. Auch darum müssen die Eltern draussen bleiben.

Vorlesungen für Kinder gibt es an den meisten Deutschschweizer Universitäten. In St. Gallen erklärt ein Informatikprofessor am nächsten Mittwoch, wie ein Computer funktioniert. Eine Woche später berichten Historiker in Zürich von «Hunden im All und Pferden im Krieg». In Bern erfahren Kinder am 26. April, «warum Menschen hungern müssen». Für die jeweils aus weiteren Vorträgen bestehenden Vorlesungsreihen kann man sich noch anmelden. Für die Kinderuni Luzern ist die Anmeldung ab Mai offen. Leider sind die Vorlesungen in Basel schon ausgebucht. Dort würden Kinder Antworten erhalten auf eine dringende Frage: «Brauche ich die Schule überhaupt?» Für Oskar ist die Antwort klar. Er würde am liebsten gleich an der Uni bleiben.

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