Bitte Einsteigen!» Die Kinder winken aus dem Zugfenster. Nach dem ersten Tunnel wird es laut im Abteil. «Uwuwuwuwu! Wir fahren ins Indianerlager!» Die 2.- bis 4.-Klässler aus der Stadt Zürich können es kaum erwarten. Eine Woche Basteln, Singen, Tanzen. Sie machen Ferien – mit Gleichaltrigen statt mit den Eltern.

Was viele nicht wissen: Die Schweiz hat diese Art Ferien erfunden. Ein Pfarrer reiste im Jahre 1876 mit 68 Mädchen und Buben ins Appenzellerland. Sie verbrachten zusammen die erste «Ferienkolonie», wie die Jugendlager damals hiessen. Heute übernachten alle Kinder in komfortablen Herbergen. Damals mussten die Buben im Stall auf Stroh übernachten. Die Mädchen durften immerhin im Bauernhaus schlafen. Auch das Programm hat sich gewandelt. Mussten die Kinder früher vor allem anpacken (Kochen, Putzen, Beeren und Blumen pflücken), wird heute vor allem Sport getrieben, getanzt oder eben Indianer gespielt. Doch schon damals gab es ein Freizeitprogramm (Wandern) und auch heute wird noch gearbeitet und das nicht nur, wenn am Schluss der Woche das Haus geputzt werden muss. So bietet die Stiftung Zürcher Schülerferien etwa Französisch- oder Englisch-Camps an, wo die Fremdsprache täglich geübt wird.

Die Idee der Ferienkolonien war ursprünglich, dass auch Kinder aus armen Familien in die Ferien können. Dank Geld aus der Gemeindekasse und Spenden wurde der Lagerbeitrag möglichst tief gehalten und je nach Einkommen der Eltern weiter reduziert. Mittlerweile gibt es nur noch in wenigen Gemeinden Überbleibsel der Ferienkoloniebewegung. Doch auch die meisten anderen Anbieter von Kinderferienlagern reduzieren je nach Einkommen den Beitrag. Wer diesen Frühling noch in ein Camp will, sucht am besten im Internet nach lokalen Anbietern. Hier eine kleine Auswahl:

> «Jugend und Sport»-Camps: Ski/Snowboard (21.–27. April) oder Windsurfen (28. April–4. Mai) für Kinder ab 10 Jahren. Infos bei den Sportämtern der Kantone AI, AR, GL, GR, SG, SH, TG und ZH.

> Auch lokale Pfadi-Gruppen nehmen nach Möglichkeiten spontane Anmeldungen fürs Frühlingslager entgegen. www.scout.ch

> Camps der Stiftung Zürcher Schülerferien: «Robin Hood» oder Englisch (22.– 27. April), Französisch oder Pony- und Eselreiten (jeweils 29. April–4. Mai). Nicht-Zürcher zahlen einen Aufschlag. Infos unter www.zsf.ch. Auch im aktuellen Indianerlager (29. April–4. Mai) sind noch Plätze frei.

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