Im Herbst dreht die Erde schneller

Kaum sind die Blätter am Boden, dröhnen die Laubgebläse. Foto: Keystone

Kaum sind die Blätter am Boden, dröhnen die Laubgebläse. Foto: Keystone

Der Effekt entsteht durch Laub, aber nicht durch die Laubgebläse.

Der Herbst kommt leise, dann dröhnt er lauter als jede andere Jahreszeit. Ab heute wird es kälter. Bald verlieren die Bäume ihre Blätter. Nur Tage, wenn nicht Stunden später hört man die Laubgebläse der Hauswarte und Strassenfeger. Der Herbst ist trotz Lärm eine beliebte Jahreszeit, denn nie leuchten die Blätter schöner in allen Farben.

Dass sie ihr Grün verlieren, liegt daran, dass die Bäume im Winter eine Ruhepause einlegen. Im Frühling und Sommer funktionieren sie wie Kraftwerke. Sie wandeln Wasser und verbrauchte Luft (CO2) mithilfe von Sonnenlicht in Traubenzucker um und wachsen dank dessen Energie in die Höhe. Im Herbst und Winter geht das nicht, weil den Bäumen das Wasser fehlt. Es gefriert unter dem Boden und kann nicht mehr von den Wurzeln aufgenommen werden. Zum Glück ziehen die Bäume das Blattgrün aus den Blättern ab und lassen die Blätter fallen. Sonst würden sie verdursten.

Wenn das Blattgrün weg ist, gibts zu wenig Traubenzucker für das Blatt: Es welkt und fällt ab. Gut für die leidenschaftlichen Laubbläser, schlecht für Menschen mit empfindlichem Gehör. Der Herbst macht die Welt aber nicht nur bunter und lauter, sondern auch schneller. Wissenschafter haben herausgefunden, dass sich die Erde im Herbst ein ganz kleines bisschen schneller dreht. Und zwar dann, wenn die Blätter von den Bäumen fallen. Schuld daran ist die Physik. Das physikalische Gesetz der Drehimpulserhaltung besagt, dass sich Körper schneller drehen, wenn das Gewicht näher beim Mittelpunkt ist. Das klingt auf den ersten Blick komisch, wer aber schon mal einer Eiskunstläuferin zugesehen hat, der weiss, dass sie sich bei der Pirouette schneller dreht, wenn sie die Arme ganz nah zum Körper nimmt. Das Gleiche geschieht, wenn die Blätter nicht hoch auf den Bäumen sind, sondern am Boden liegen. Nun liegt das Gewicht nahe an der Erdachse und die Erde dreht sich schneller. Darum sind die Tage im Winter knapp eine tausendstel Sekunde kürzer als im Sommer.

Übrigens: Durch den Luftstoss der Laubgebläse wird die Erde nicht schneller. Im Gegenteil: Das Aufwirbeln der Blätter bremst die Erde wieder ein klitzekleines bisschen. Dafür machen die Maschinen aber grossen Krach.

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