Von Anchalai Ashokapathman, Elvin Philip und Miljana Veljkovic (alle 16 Jahre)

Eigentlich wollte unser altehrwürdiger Cliquen-Chef auf die Teilnahme an der diesjährigen Cazner und Churer Fasnacht verzichten. Zehnmal hintereinander hatte er unsere kunstvoll und mit viel Liebe aufgebauten Fasnachtswagen nach dem Umzug in Ermangelung eines Unterstandes zerstören und das Material dem Recycling übergeben müssen. Und auch dieses Jahr wieder den Wagen draussen in der Kälte aufbauen, das gefiel ihm scheinbar nicht mehr. Doch da hatte er die Rechnung ohne uns Fasnächtler gemacht.

Von verschiedener Seite wurde er dann in den letzten beiden Wochen intensiv «angegangen». So kam es, wie es kommen musste: Unser Big Boss revidierte seinen Entschluss und willigte ein, mit unserer Klasse an die Fasnacht zu gehen. Viel Überredungskunst hatte es dazu wahrlich nicht gebraucht.

Einen neuen Wagen aufzubauen, kam zeitlich nicht mehr in Betracht. Also Plan B hervorzaubern: Warum nicht bunte Masken herstellen? Dies hatten wir schon immer gewollt. Also nahmen wir Kontakt mit zwei Larven-Ateliers in Basel auf. Drei Tage später, an einem schulfreien Nachmittag, fuhren wir dorthin, um der echten «Frau Fasnacht» bei der Larvenherstellung über die Schultern zu schauen. Das war das eine. Rohlinge und Haartracht aussuchen, Muster-Plastikhelm auf Maske montieren und beim Bemalen zusehen, das andere. Mit einem Kofferraum voller Rohlinge und den Haartrachten spätabends zurück in die Schule zu fahren, das Ziel unseres vorfasnächtlichen Abenteuers. Dann lief das Bemalen der Rohlinge auf Hochtouren.

D Frau Fasnacht erklärte, dass man die Masken in Basel Larven nenne. Die eindrucksvollen Waggis-Larven und das Kostüm dazu gefielen uns besonders. Nach Elisabeth Gröflin gehören sie fest zur Basler Fasnacht. Sie stellen Elsässer Taglöhner von früher dar. Deshalb tragen sie ein Einkaufsnetz mit Gemüse, manchmal einen Knüppel. Uns gefiel, dass sich der Waggis gern als Lausbub gibt, der Schabernack treibt. Waggis sind aber keine Clowns. Sie spotten, reissen Witze und verteilen gern kleine Gaben, früher Obst und Gemüse, heute oft Süssigkeiten. Sie sind aber auch «gefürchtet», weil sie Passanten überraschend Konfetti unter die Kleider stopfen. Wir als Waggis lieben es, Zile-Frutas-Bonbons und Minor-Schokolade-Prügeli zu verteilen, aber auch Konfetti zu werfen.

Während unsere Vorbereitungen auf Hochtouren liefen, haben wir uns kurz gefragt, weshalb wir überhaupt unbedingt an der Fasnacht teilnehmen wollen. Hier einige Antworten: Fasnacht macht einfach Spass, ist lustig und schön. Wir haben Freude daran, mit andern zusammen etwas zu machen, mit der Gruppe unterwegs zu sein und Masken zu bemalen. Wir freuen uns immer schon lange vorher darauf. Wer noch nie an der Fasnacht dabei war, kann gar nicht nachempfinden, wie es ist. Es ist ein buntes Treiben in tausend verschiedenen Farben. Die Leute sind dann viel lockerer drauf als sonst, ein bisschen verrückt, ausgelassen und etwas durchgedreht. Fasnacht ist eine Tradition, die man auch in unserem Dorf aufrechterhalten muss.

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