Ausgangspunkt im «Ring» ist ein Zwerg, der vor drei Rheinwassernixen der Liebe abschwört. Dadurch erhält er Unmengen an Gold und einen Ring, der die Macht im Land verheisst. Zwei Riesen setzen derweil den letzten Stein auf eine Burg, die den Göttern gehören soll, den alten Machtträgern. Doch eben: Die Macht gehört nun dem Zwerg – eine wilde Geschichte aus der selbst Siegfried, der die Furcht nicht kennt, nicht lebendig herauskommen wird. Da mag er die Sprache der Vögel noch so leicht verstehen, ja selbst den bösen Drachen töten. Gerade ihm lauern die ganz Bösen auf.

Der einäugige Hagen weiss, wie man Siegfried töten kann. . . und greift nach dem Ring. Doch Brünnhilde, Siegfrieds Frau, hat vorgesorgt. Nach Feuersbrunst und Überschwemmung schnappen sich die Rheintöchter Hagen und haben ihr Gold wieder. Die schönsten Klänge der Welt künden von neuem Leben. In einem Opernhaus hält diese auf vier Abende verteilte Geschichte kein Knirps aus – aber vielleicht zu Hause auf dem Sofa mit einer «Ring»-DVD (siehe Seite 36) aufgeteilt auf acht Abende? Und nebenbei: Immer wieder wird der «Ring» von schlauen Dramaturgen gekürzt und in Kinderfassungen dargeboten – «Klein Siegfried» stürmt dann jeweils dem Lebensglück beziehungsweise der geflügelten Walküre Brünnhilde entgegen.

Der «Ring» wäre ideal, aber auch der (viel kürzere!) «Fliegende Holländer» verheisst tolle Mythen sowie eine (Un-)Logik, die Kindern im Unterschied zu modernen Regisseuren völlig egal ist: Nur ein treues Weib kann den fliegenden Holländer vor der ewigen Verdammnis retten. Senta träumt schon seit Kindheitstagen von ihm und eines Morgens bringt ihr Vater den schmucken Seefahrer tatsächlich in die Stube. Alles kommt gut – bis der Holländer sieht, dass es mit Sentas Jugendschatz Erik doch nicht ganz aus ist. Er fährt wieder los, sie eilt auf eine Klippe und stürzt sich ihm ins Meer entgegen. Erlösung naht!

So einprägsam Verdis Melodien («la donna mobile», «»Va pensiero’») in der Werbung sind, so untauglich ist sein Werk für Kinder. Der Schmerz ist zu real, die Liebe zu gross, die Bösen zu abgründig. Selbst viele Verona-Reisende merken erst nachts um ein Uhr in der Arena, auf was sie sich mit Verdi eingelassen haben. Da mag zwar der Triumphmarsch toll geklungen haben, die letzte Stunde «Aida» ist still und leise und manch einer steuert alsbald Schnarchgeräusche zum Geigenflirren bei.

Am ehesten wäre «Il Trovatore» für Kinder geeignet, ja, die unschuldigen Kleinen würden die Geschichte der Zigeunerin Azucena, die ihren «Sohn» Manrico gegen den Grafen kämpfen lässt, dann aber die Verbrennung Manricos bejubelt. . ., vielleicht sogar im Unterschied zu vielen Erwachsenen verstehen.

«Der fliegende Holländer», für Kinder erzählt aus der Sicht eines Schiffskaters, ab 5 Jahren. Lucerne Festival, 19 Mal ab 17. August. Karten ab 15. März.