Fast jedes Kind kennt ihn. Den kleinen Fisch mit den glitzernden Schuppen. Er schwamm schon durch so manches Kinderzimmer und verteilte seinen Glanz an die anderen Fische. Dieser kleine Fisch ist alles andere als stumm, denn er spricht mittlerweile über vierzig verschiedene Sprachen. Denn die diversen Bände des Bilderbuches des Berner Illustrators Marcus Pfister haben weltweit schon über 30 Millionen mal verkauft. Wenn der kleine Fisch das wüsste, er würde sich sicher freuen, denn der Glitzerfisch lernt in der Geschichte das Teilen. Anfangs hat er als Einziger glitzrige Schuppen, ist aber einsam. Erst, als er allen anderen Fischen je eine seiner Funkelschuppen abgegeben hat, ist er samt allen anderen glücklich.

Der kleine Fisch hat übrigens als müde Eule angefangen. In einem der ersten Bilderbücher von Marcus Pfister schliesst sie Freundschaft mit einem Jungen, obwohl sie am Tag schläft und er in der Nacht. Das Buch kam gut an bei den kleinen Leserinnen und Lesern. Darum fragte die Verlegerin den «Vater» der Eule, ob er nicht etwas Ähnliches machen könnte. Er überlegte und überlegte, doch im fiel nichts ein. Bis er die Eule einmal aus einer anderen Richtung betrachtete. Dreht man die Eule nämlich um 90 Grad, sieht sie aus wie ein Fisch. Die Federn werden zu Schuppen und die Flügel zu Flossen.

Und dann kam Marcus Pfister noch eine Idee. Der Fisch soll glitzrige Flossen bekommen. Und diese sollen nicht einfach bunt bemalt sein, sondern sie sollen funkeln, als wären sie die eines echten, wundersamen Fabelwesens. Dazu klebte Grafiker Pfister eine spezielle, silbern schimmernde Folie auf die Zeichnungen. Das war für ein Bilderbuch revolutionär. Und so schwamm der Fisch los und verteilte seine Glitzerschuppen in der ganzen Welt. Und nicht nur die Schuppen der Freunde des kleinen Fisches glitzern nun weltweit von Millionen von Kinderbuchseiten, sondern auch andere bunte Tiere haben etwas Glitzer auf ihr Fell oder ihre Federn bekommen. Denn seit dem kleinen Fisch von Marcus Pfister kleben auch viel andere Zeichnerinnen und Zeichner Glitzerfolie auf ihre Bilder.

Wer auch einmal schöne Bilder oder ganze Bilderbücher zeichnen möchte, dem rät Marcus Pfister, Dinge zu zeichnen, die einem selber gefallen. «Wer Tiere nicht mag, kann auch keine schönen Bilder von ihnen malen», erklärt der Meister des Fachs. Wenn er sich für ein Tier entscheiden müsste, in das er sich verwandeln würde, wäre es auf jeden Fall ein frei lebendes Tier. «Vielleicht nicht unbedingt der kleine Fisch, den ich seit 20 Jahren kenne und male», sagt Pfister und zeigt auf eines seiner neuesten Werke. Es ist ein grüner Dinosaurier. Tatsächlich ist Pfister seit 25 Jahren selber einer der grössten seines Fachs.

Werkschau: Marcus Pfister. Illustrationen für Kinder. 2. Mai bis 31. Juli. NordSüd Verlag, Heinrichstrasse 249, 8005 Zürich.

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