Du bisch doch en Glögglifrosch!», sagen ältere Leute manchmal noch zueinander. Das Schimpfwort kennt von der jungen Generation aber kaum noch jemand. Doch nicht nur das Fluchwort, auch das Tier, das dafür herhalten muss, ist vom Aussterben bedroht. In der Fachsprache heisst das Tier Geburtshelferkröte.

Und diese Kröte tanzt unter seinesgleichen ganz schön aus der Reihe. Denn der Glögglifrosch ist das einzige Wesen seiner Gattung, das sich nicht im Wasser, sondern an Land paart. Noch ungewöhnlicher ist die Arbeitsteilung zwischen Männlein und Weiblein bei diesem Ausnahmefrosch. Er ist eines der wenigen Lebewesen, bei denen der Mann «schwanger» wird. Und das geht so: Frösche wachsen aus Kaulquappen. Das sind winzige Lebewesen, die wie kleine Fische im Wasser leben. Diese Kaulquappen schlüpfen aus Laich. So heissen die Eier, welche die Frösche im Wasser ablegen. Der Glögglifrosch legt aber seine Eier nicht ins Wasser. Stattdessen trägt das Männchen die Eier mit sich herum. Auf einer Schnur aufgereiht wickelt das Männchen die besamten Eier um seine Fersen.

Frösche und Kröten haben es nicht leicht. Der Mensch kanalisiert Flüsse und befestigt die Ufer von Seen und Flüssen. Das ist gut für den Menschen, weil so Überschwemmungen verhindert werden. Für die Frösche ist das aber ein Problem, denn sie leben im Wasser und an Land und fühlen sich in sumpfigen Zwischenbereichen am wohlsten. Dort versteckt sich auch der männliche Glögglifrosch mit dem Laich, verlässt seine Unterkunft erst kurz bevor die Kaulquappen schlüpfen und springt ins Wasser. Weil er das an immer weniger Orten ungestört machen kann, ist der Glögglifrosch vom Aussterben bedroht. Sein Ruf, der an das Läuten von Glocken erinnert, erschallt nur noch selten.

Seinen Namen hat der Glögglifrosch nämlich nicht von den glockenförmigen Eiern, sondern von seinem musikalischen Gequake. Das Schimpfwort bedient sich also zu Unrecht beim Glögglifrosch und kann deshalb ruhig aussterben. Damit das dem echten nicht passiert, buddeln Naturschützer nun Sumpflöcher für den Glögglifrosch.

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