Über eine Milliarde Mal wurde der «Gangnam-Style»-Tanz des koreanischen Musikers Psy angeschaut. Das ist Rekord. Kein anderes Video auf der Plattform Youtube wurde häufiger angeschaut. Keines erhielt so viele «Däumchen nach oben»-Klicks.

Viele können beim Anschauen des Videos nicht still dasitzen. Darum tanzen sie mit. Längst gibt es Videos mit Anleitungen, und viele Spy-Fans filmen sich selber beim Hüpfen und Tanzen und stellen das Video ins Netz. Da tanzen Pandabären neben Spiderman, Fussball-Teams neben Feuerwehrmännern. Sogar die US-Eliteuniversität MIT ist vertreten: Studenten tanzen im Labor und auf dem Unigelände und auch der berühmte Sprachwissenschafter Noam Chomsky macht mit. Aus dem Song und dem dazugehörigen Tanz ist eine Bewegung geworden.

Doch der komplizierte «Gangnam-Style», der aus einer langen Abfolge verschiedener Schritte und Posen besteht, hat längst von einem viel einfacheren Gruppentanz Konkurrenz bekommen. Beim «Harlem Shake» ist Nachmachen nämlich noch viel einfacher: Da benimmt sich eine Gruppe zuerst ganz normal und tut, als wenn nichts wäre. Im Hintergrund läuft dazu die Einleitung eines Liedes. Nach 15 Sekunden setzt der Bass ein und die Gruppe flippt völlig aus. Plötzlich tragen alle Masken und Kostüme und tanzen wie wild durcheinander. Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt: Verkleidet als Pferd, Skifahrer oder Superman hüpfen weltweit Jugendliche vor der Kamera durch ihr Wohnzimmer. Doch auch eine Gruppe Soldaten aus Norwegen zeigte sich kreativ und zappelt verkleidet mit Schlafsäcken im Schnee. 40 000 Menschen haben den Tanz schon nachgemacht und hochgeladen.

Die Welt des Internets ist kurzlebig: Schon wartet der nächste Song auf Nachmacher. Gangnam-Psy hat letzte Woche seinen neuen Song «Gentleman» herausgegeben. Natürlich mit dazugehöriger Choreografie. Ob er auch so viel nachgemacht wird? Sein Vorgänger entwickelt sich indes vom Jux zur Protestform. In Südkorea tanzen viele den «Gangnam Style», um für Frieden mit dem Norden zu demonstrieren.

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