Falls du das liest und deiner Mutter noch nicht Frühstück serviert oder ihr Blumen gebracht hast, solltest du das schnell nachholen, denn heute ist Muttertag. Viele Mütter freuen sich über diesen Tag, an dem sie im Mittelpunkt stehen und an dem sie sich endlich mal ausruhen können. Andere dagegen kritisieren den Feiertag: Das ganze Jahr müssten Frauen kochen, waschen und staubsaugen, und einmal im Jahr bekommen sie dafür einen Blumenstrauss. Das sei ungerecht.

Mütter selbst haben den Muttertag erfunden. Und zwar in den USA. Von Anfang an rückten sie aber nicht sich selbst, sondern ihre Familien, vor allem ihre Söhne, in den Vordergrund. Ann Maria Reeves Jarvis wollte mit ihrer 1859 gegründeten Muttertags-Arbeitsgruppe Familien mit Medikamenten versorgen, um die Kindersterblichkeit zu bekämpfen. Während der Weltkriege demonstrierten Mütter für die Heimkehr ihrer Söhne. Nur am Rande ging es auch um die Hilfe für kranke Mütter. Dabei hätten sie genügend Gründe gehabt, um zu protestieren. Die Frauen durften damals nicht einmal abstimmen oder wählen. Heute dürfen sie das in den meisten Ländern. Und vielerorts helfen Papa und auch die Kinder fleissig mit im Haushalt. Trotzdem leistet Mama immer noch den grössten Teil der Hausarbeit. In der Schweiz sind es 44 Stunden pro Woche. Zum Vergleich: Bei Vätern sind es genau halb so viele. Zählt man die Arbeitsstunden – egal ob Haus- oder bezahlte Arbeit – von Müttern und Vätern zusammen, arbeiten sie ungefähr gleich viel. Doch: Für Erwerbsarbeit gibt es Lohn und später eine Pension, für Haushaltsarbeit gibt es das nicht.

Anna Marie Jarvis, die Tochter der gleichnamigen Muttertagspionierin, gelang es, dass 1914 in den USA der zweite Sonntag im Mai zum Muttertag wurde. Nur wenige Jahre später bereute sie dies schon. Denn der Feiertag war von allerlei geschäftstüchtigen Unternehmern entdeckt worden. Sie wollten vor allem Blumen und Geschenke verkaufen. Das gefiel Jarvis nicht und so kämpfte sie an gegen diese Geschäftemacherei und wollte sogar den Feiertag wieder abschaffen. Sie musste sogar einmal wegen Störung der Feier für ein paar Tage ins Gefängnis. Doch der Muttertag war nicht mehr aufzuhalten. Auch dank der Geschäftsmänner. In Deutschland waren es nämlich die Blumenhändler, welche für den heutigen Feiertag kämpften. Geschickt weibelten sie für dessen Einführung und verdienen bis heute gut daran. Auch in der Schweiz verhalfen die Blumenhändler dem Tag in den 1930er-Jahren zum Durchbruch.

Falls du immer noch diesen Artikel liest, ist es nun aber höchste Zeit, deiner Mutter etwas Gutes zu tun. Vielleicht mit selbst gepflückten Blumen oder als helfende Hand im Haushalt. Doch am besten nicht nur heute am Muttertag, sondern das ganze Jahr durch.

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