Von Anchalai Ashokapathman

Der Beruf der Hotelfachfrau gefiel mir auf Anhieb: Die Zimmer schön herrichten, am Buffet die Gäste verwöhnen und mit Menschen aus der ganzen Welt zusammenarbeiten. Und der frische Duft in der Wäscherei. Mein Entschluss stand fest: Ich will in einem Hotel schnuppern. Anfang Dezember war es dann so weit: Ich durfte im Hotel Sunstar Alpine in Arosa als Hotelfachfrau schnuppern. Schon am Sonntagabend davor fuhren mich meine Eltern mit dem Auto über die kurvenreiche Strasse von Chur nach Arosa.

Hoteldirektor Rolf Bucher begrüsste uns freundlich. Nach dem Abschied von meinen Eltern führte er mich durch das ganze Hotel. Es ist sehr komfortabel, mit stilvollen Holzmöbeln heimelig eingerichtet. Und schon ging es los: Am Montag, meinem ersten Schnuppertag, arbeitete ich zuerst auf der Etage. Ich musste die Betten machen und kontrollieren. Am Abend durfte ich auch an der Réception arbeiten und half beim Zimmerbuchen. Am zweiten Tag half ich wieder an der Réception. Am Abend hatte ich frei. Am Mittwoch durfte ich im Restaurant servieren. Zuerst deckte ich mit einer Mitarbeiterin die Tische und faltete die Servietten. Es musste alles perfekt sein. Als ich am Abend das Nachtessen servierte, kamen plötzlich Hoteldirektor Bucher und seine Frau und setzten sich an einen Tisch. Ich musste auch ihnen servieren. Zuerst hatte ich Angst einen Fehler zu machen, aber dann überwand ich sie und gab mir besonders viel Mühe.

Am Donnerstag passierte es. Ich arbeitete in der Küche, schnitt Früchte für einen Fruchtsalat. Autsch! Ich schnitt mich in den Finger, dass es blutete. Zum Glück war der Verbandskasten nicht weit. Doch zwanzig Minuten später passierte es gleich nochmals. Es ist gar nicht so ungefährlich in so einer Hotelküche.

Zum Glück hatte ich um 15 Uhr Feierabend und konnte mich erholen. Ich schaute mich ein wenig in Arosa um. Am letzten Tag, am Freitag, durfte ich wieder an der Réception arbeiten. Ich war gerade ins Schreiben der Tagesmenükarten vertieft, da traten plötzlich zwei Männer auf uns zu und streckten uns ihre Skibillette hin. Wir waren nicht sicher, ob sie echt oder gefälscht waren. Deshalb fragten wir Frau Sturm, die Chef-Rezeptionistin und Direktions-Assistentin, ob die Skipässe echt seien. Nach ihrer Meinung waren sie gefälscht. Am nächsten Tag sollte es herauskommen, ob sie gefälscht waren oder nicht.

Zum Schlussgespräch trafen am Freitag meine Eltern ein. Wir gingen ins Restaurant nach oben und setzten uns an einen Tisch. Herr Bucher sagte, dass ich sehr gut gearbeitet habe, dass er zufrieden sei mit mir und dass er mir die Lehrstelle gerne geben würde. Aber nächste Woche sei auch noch ein Mädchen zum Schnuppern da. Würde sie die Lehrstelle vielleicht bekommen und ich am Ende leer ausgehen?

Ich sagte Herrn Bucher, dass es mir im seinem Hotel gut gefallen habe, dass ich begeistert sei vom Beruf der Hotelfachfrau und dass ich mir sehr gut vorstellen könne, dort die Lehre zu machen. Dann folgten Tage voller Ungewissheit. Doch eine Woche vor Weihnachten kam der Bescheid. Ich habe die Lehrstelle bekommen! Ich war zuerst fast ein bisschen geschockt. Dann freute ich mich riesig. In der Zwischenzeit haben wir den Lehrvertrag unterschrieben. Und ich kann es kaum mehr erwarten, endlich anzufangen.

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