Von der Akropolis an den Paradeplatz: Nun fahren die dicken Autos aus Athen direkt in Zürich vor – im sprichwörtlichen Sinne: Verunsicherte Griechen bringen ihr Geld in die sichere Schweiz. Die Banken in der Champions League wie Credit Suisse, UBS und Pictet erfreuen sich eines warmen Geldsegens und füllen fröhlich ihre Geldspeicher auf. Wir sprechen von einstelligen Milliardenbeträgen, die «franko Domizil» eintreffen – und dieser Neugeldzufluss wird so schnell nicht versiegen.

Das wäre schon die einzige gute Nachricht zur CS. Anleger sollten bei der CS-Aktie in Ruhestellung verharren: Ein Minderheitsaktionär muss nämlich seine Kreditposition neu verhandeln, nachdem die Aktie im Sauseschritt unter die Marke von 20 Franken gefallen ist. Kreditgeber in dieser Transaktion ist eine grosse US-Bank. Wird der Minderheitsaktionär zwangsweise exekutiert (infolge Unterschreiten des Ausübungspreises des kreditfinanzierten Aktienpakets), werden bis zu einem Dutzend Millionen Aktien auf den Markt geworfen, sofern kein neuer Grossinvestor gefunden werden kann.

Der Börsen-Autopilot in Sachen Lonza Group ist auch diese Woche weiterhin fix auf Sinkflug eingestellt: –7,6%. Damit hat der Anleger nun mehr als 52% über die letzten zwölf Monate verloren. Die amerikanischen Grossinvestoren haben im sprichwörtlichen Sinne ein «wash-out» (verkaufen, koste es, was es wolle) durchgeführt. Und kein neuer institutioneller Anleger ist in Sicht, der gezielt die Titel aufkauft. Auch ein Bündel von strukturierten Produkten hat diese Woche die untere Kursbarriere erreicht und somit die sommerliche Schlittenfahrt zusätzlich beschleunigt (neues Kursziel: 34 Franken, weiterhin verkaufen).

Im Dauerausverkauf bleiben die Aktien von Charles Vögele: –35,27% innert dreier Monate. Die schwächelnde Konsumentenstimmung im grössten Absatzmarkt Deutschland drückt die Aktie erstmals nachhaltig unter die 15-Franken-Marke. Absicherungsoptionen, die bis jetzt die Migros als grösste Minderheitsaktionärin vor noch grösseren Abschreibungen verschont haben, sind zum Teil ausgelaufen. Damit macht der zusätzliche Tiefflug der letzten Wochen auch dem orangen Giganten weh (abwarten, verkaufen).

Nur von kurzer Dauer war der temporäre Kurssturz des Bad Ragazer Gipfelstürmers Inficon: +6,59% sind ein starkes Signal an die Investoren. Spannend finde ich in diesem Zusammenhang, dass nun auch der amerikanische Fondsgigant Blackrock sich mit ein paar Groschen an der nur 412 Millionen Franken Marktkapitalisierung aufweisenden Firma beteiligt hat (halten).

Nun möchten ein paar Spekulanten einen Quick deal bei der Westschweizer Kudelski vollziehen. Lassen Sie sich nicht verrückt machen. In diesem Spiel sind nicht die gewichtigen Zocker im Rennen, um den Titel richtig hochschiessen zu lassen. Auch sehe ich keine nachhaltige Unternehmensgeschichte, die diese Kurszuckungen auch fundamental untermauern würde (nicht für uns).

Pech für jene Anleger, die auf die fundamental überteuerte Facebook-Aktie gesetzt haben: Noch ist das Ende der Talfahrt nicht in Sicht, professionelle Investoren verkaufen weiterhin im grossen Stil. Erstzeichner haben bis zu 18% innert Wochenfrist verloren.

Erstmals Probleme mit der Höhenluft nach dem fulminanten Jahresstart hat der Schweizer Börsenshootingstar 2012 made in Austria, die Austriamicrosystems. Erst ein Fall unter die Marke von 60 Franken (aktuell: 66.20) sollte zu Arrondierungen genutzt werden (abwarten).

In ruhigem Fahrwasser befindet sich Comet aus dem freiburgischen Flamatt. Hier wird nun eine ruhige Börsenkugel geschoben. Momentan ist die Firma korrekt bewertet und eine rasante Bergfahrt ist für die kommenden Monate nicht zu erwarten (abwarten auf den Herbst 2012).

Aufgepasst bei Glencore: Nun werden nach Auslaufen der Haltefrist vom 25.Mai 2012 zusätzliche grössere Pakete von Mitarbeiteraktien auf den Markt kommen. Hier lautet die Devise abwarten. Vor einem Jahr wurden die Aktien zu 530 Pence herausgebracht, nun sind diese nur noch 340 Pence wert.

Sämtliche Leserfragen werden beantwortet. Schreiben Sie Geldberater François Bloch ein E-Mail an: geld@sonntagonline.ch.

Wer die Börsentipps aus dieser Kolumne umsetzt, tut dies auf eigenes Risiko. Der «Sonntag» übernimmt keine Verantwortung. Unser Experte hat sich verpflichtet, in keinem der besprochenen Titel aktiv zu sein.


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