VON BORIS FELDMANN

Als wohl erste Zeitung der Welt warn-ten wir vor der Zeitbombe, die ungarische Hausbesitzer mit ihren damals billigen Schweizer-Franken-Krediten legten. Nun ist es ihnen seit dem 1. Juli 2010 von Amtes wegen verboten, Kredite in Schweizer Franken aufzunehmen.

Die willkürliche Stärkung des ungarischen Forint diese Woche nährt den Verdacht, dass die Schweizer Nationalbank als rettender Engel aufgetaucht ist und Schlimmeres verhinderte. Schon vor einigen Monaten warf die SNB einen milliardenschweren Rettungsring (eine Swap-Linie), der die ungarischen Banken vor grossen Turbulenzen rettete. Ich fordere hiermit eine Aufklärung, wie viele ungarische Forint in den Tresoren der Schweizer Nationalbank lagern. Der Chefökonom der Credit Suisse bestätigte am Freitag die von uns geäusserte Vermutung, dass die SNB auf bis zu 10 Milliarden Franken Papierverlusten per Ende Juni 2010 sitzt.

Doch schon rollte eine noch grössere Lawine aus dem Osten an: Wie der «Sonntag» in Wien erfahren hat, gibt es auch dort ein faktisches Verbot, in Schweizer Franken Kredite zu vergeben, um Hauskäufe durchzuführen. Gemäss Statistik der Österreichischen Nationalbank betragen die Fremdwährungskredite 48 Milliarden Franken. Insidern zufolge beläuft sich der Anteil Schweizer Franken an diesem grossen Kuchen auf mehr als 60%. Jedenfalls sind die Anleger, die nach dem 1. März 2008 Schweizer Franken aufgenommen haben, schon dick im Verlust.

Kein Halten gibt es für das neuste strukturierte Produkt aus dem Hause Vontobel: Die drei französischen Musketiere BNP Paribas, Total und L’Oréal werfen einen Coupon von satten 14,75% aufs Jahr in Euro auf den Markt – mit einer ultratiefen Barriere von 55%. Mit dem Gewinn aus dem Valor 1132 8495 kann dann Ihre Frau ein wertvolles Produkt aus dem Hause L’Oréal erwerben und Sie damit jeden Tag aufs Neue verzücken (must buy).

Der norwegische Erdölproduzent Statoil bringt das Kunststück fertig, rund 25% seiner Erdölproduktion mit Gestehungskosten von 5.50 Dollar per Barrel durchzuführen. Bedenkt man, dass der Verkaufspreis von einem Barrel Öl an den Warenterminbörsen 73 Dollar beträgt, braucht es keinen komplizierten Dreisatz, um die eklatante Gewinnmarge auszurechnen (ein Barrel entspricht 159 Liter Öl).

Nach einer dramatischen Gewinnhalbierung im letzten Jahr ist der gigantische Konzern auf bestem Weg, das Topresultat der Vergangenheit zu übertrumpfen. Eine Dividendenrendite von 12% innert zweier Jahre ist nicht mehr ausgeschlossen. Mit 21 Milliarden Barrel an Öl- und Gasreserven sollte nichts anbrennen (must buy).

Zum eigentlichen Überflieger an der Börse mutiert das Basler Unternehmen Day Software, über das wir schon vor mehr als sechs Monaten Lobeshymnen sangen. Seit dem Jahresanfang ging es über 34% nach oben, der kleinkapitalisierte Wert (155 Millionen Franken) steht auf dem Speisezettel internationaler Fundmanager. Verschiedene neue Verträge für die bahnbrechende Technologie sind unterschriftsbereit und der nächste Grossauftrag wird in Bälde bekannt gegeben, wie Leute an der Quelle berichten.

Die Credit Suisse brilliert mit einem Emerging-Market-Korb (Valor 11475226), bestehend aus folgenden vier Basiswerten, denen die Börsenmärkte Indiens, Russlands, Chinas und Brasiliens zugrunde liegen. Sofern keiner der vier Märkte mehr als 50% innerhalb eines Jahres verliert, sind Ihnen 14% gewiss. Einziger Wermutstropfen ist die Ausgabekommission von 1 Prozent (must buy für den spekulativen Anleger).

Für die, die glauben, dass SNB-Chef Philipp Hildebrand sich zu einer weiteren Stützungsaktion des Euros gegenüber dem Schweizer Franken aufrafft, sei auf das Papier von der französischen Grossbank Société Générale Papier (WKN: SG1 RNC) mit 8,2-fachem Hebel verwiesen. Aufgepasst: Wird der Schweizer Franken gegenüber dem Euro stärker und gleitet Richtung 1.20 (aktuell 1.3322), ist Ihr Einsatz völlig weg. Würde der Schweizer Franken schwächer, dann schneit Ihnen trotz heissem Sommer ein Megagewinn ins Haus (nur für sehr spekulative Investoren). Ein Hebel bedeutet, dass jede Kursschwankung von 1% in unserem Fall zu einem Gewinn oder Verlust von 8,2% führt.

Haben Sie fragen an den Geldberater?

Sämtliche Leserfragen werden beantwortet. Schreiben Sie Geldberater Boris Feldmann ein E-Mail an:
geld@sonntagonline.ch.

Wer die Börsentipps aus dieser Kolumne umsetzt, tut dies auf eigenes Risiko. Der «Sonntag» übernimmt keine Verantwortung. Unser Experte hat sich verpflichtet, in keinem der besprochenen Titel aktiv zu sein.


Mehr Themen finden Sie in der gedruckten Ausgabe oder über E-Paper!