Nur eine Richtung kennt unser Westschweizer No-go-Doppelpack: Kudelski –10% und Logitech –11,36%. Langsam werden beide Aktien aus fundamentalen Gründen zu einer interessanten Anlage, doch wird Logitech sich für absehbare Zeiten nicht dem Würgegriff der Spekulanten entziehen können: Die so genannten Shortpositionen (Verkaufspositionen) betragen hohe 25%.

Die letzte Woche von mir prognostizierte Börsen-Sonnenfinsternis beim Solarproduzenten Meyer Burger ist eingetroffen: –9,16%. Nun muss das Thuner Vorzeigeunternehmen für den überteuerten Einkauf der ostdeutschen Rot&Rau einen sehr hohen Preis bezahlen und die Aktie ist weiterhin kein Schnäppchen (verkaufen).

Nochmals eingehauen wurde auf die Bellevue Bank: –8,95%. Die Aktie ist weiterhin überteuert. Ich wäre nicht sehr überrascht, wenn in Kürze ein personelles Abbauprogramm bekannt gegeben würde: Der Wertpapierhandel läuft auf kleiner Flamme (weiterhin verkaufen).

Unter Druck bleibt der Bordverpflegungsgigant Gategroup: –8,44%. Nun wird sich weisen, ob der Abwärtstrend bei 30 Franken gestoppt werden kann. Die Zukunftsaussichten sind zwar intakt, doch sorgen die schwachen Ergebnisse der Fluggesellschaften im ersten Halbjahr 2011 für Unsicherheit bei den Gewinnaussichten, da nochmals bei der Flugverpflegung gespart wird (verkaufen).

Keinen Ausweg momentan aus der Kostenfalle findet der Privatebanking-Überflieger Boris Collardi mit seiner Julius Bär Bank: –5,97%. Insbesondere die Expansion in der Schweiz sorgt nun erstmals für Gegenwind beim äusserst smarten Chef des «grössten reinen Vermögensverwalters der Schweiz» (weiterhin verkaufen).

Schritt für Schritt nach unten geht es mit dem Baselbieter Chemiezulieferer Bachem: –5,55%. Damit teilt die Börse meine Meinung, dass eine Straffung des Produktsortiments dringend vonnöten ist (weiterhin verkaufen).

Bei der Orascom Development Holding geht es ruckartig nach unten: –7,02%. Neueste Betriebszahlen zum Heimmarkt Ägypten folgen in Bälde, doch warten Sie ab. Erste Spekulanten hatten grössere Positionen bei 29 Franken im Hinblick auf einen satten kurzfristigen Kursgewinn erstanden (aktuell: 26.40) und sind dabei auf die Nase geflogen (abwarten).

Erstmals werden die institutionellen Investoren beim Hörgerätehersteller Sonova ungeduldig: –3,11%. Die erstarkte Konkurrenz jagt dem Stäfner Vorzeigeunternehmen Marktanteile ab. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis ist nach wie vor viel zu hoch – hier werden institutionelle Anleger nochmals grössere Positionen abbauen (weiterhin verkaufen).

Am 17. Juli 2011 schrieb ich zum Wechselkurs Schweizer Franken/US-Dollar: «Die schier unmögliche scheinende Marke von 0.80 ist in Reichweite gerückt.» Nun ist die Prophezeiung noch schneller eingetroffen als gedacht. Stand Freitagmittag: 0.7912. Noch schlechter im Schuss ist der Euro: 1.1380. Und nun werden übers Wochenende die neusten Strategien ausgeheckt. Am Montag, 1. August 2011, unserem Nationalfeiertag, werden die Fahnen im virtuellen Sinn bei der SNB auf halbmast gesetzt. Die Position Währungsverluste wird für das Jahr 2011 einen neuen Höchststand erreichen: Zirka 13,1 Milliarden Franken. Verkaufen Sie weiterhin den Euro – Griechenland braucht nochmals mehr Geld! Die Bankenlobbyisten verlangen nun auch beim IWF weitere Milliarden schwere Zuschüsse (Euro und Dollar verkaufen).

In eigener Sache: Professor EL schrieb mir: «Aufmerksam lese ich jeweils Ihre Seite und lerne dabei viel. Allerdings ist mir aufgefallen, dass Sie pro Woche selten mehr als eine Kaufempfehlung abgeben (must buy), häufig aber überhaupt keine.» In den letzten drei Monaten fiel der Swiss Performance Index um 10,44%, es wäre moralisch unverantwortlich, «must buys» zum jetzigen Zeitpunkt zu empfehlen. Wilder Aktionismus ist ein schlechter Berater gerade in diesen struben Zeiten. Zu Ihrer Information: Ich setzte die gleichen Computerprogramme ein, welche mich schon mehrmals als Fondsmanager an die Weltspitze in einzelnen Segmenten gebracht haben.

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Sämtliche Leserfragen werden beantwortet. Schreiben Sie Geldberater Boris Feldmann ein E-Mail an:
geld@sonntagonline.ch.

Wer die Börsentipps aus dieser Kolumne umsetzt, tut dies auf eigenes Risiko. «Der Sonntag» übernimmt keine Verantwortung. Unser Experte hat sich verpflichtet, in keinem der besprochenen Titel aktiv zu sein.


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