der Abwärtsspirale. – Philipp Hildebrand: «L’Euro, c’est moi.»
VON BORIS FELDMANN

Unsere frühere Sturmwarnung auf Swiss Re hat sich als richtig erwiesen. Die Aktie tendiert nach unten. Die wieder aggressivere Gangart des Rückversicherers im Anlagebereich gefällt uns gar nicht. Für den Anleger gilt deshalb: Weiter zuwarten. Die Versicherungsperle vom Zürcher Mythenquai ist erst unter 41 Franken (aktuell: 44.04) einen Kauf wert.

Unter einem schlechten finanziellen Stern steht das Engagement des russischen Milliardärs Victor Vekselberg bei OC Oerlikon: Während vordergründig um die 40 Millionen Franken Busse des Departements Merz gekämpft wird, beträgt sein Verlust nach der Kapitalspritze zusätzliche 300 Millionen Franken auf die Papiere des Schweizer Technologiekonzerns.

In der kommenden Woche wird Vekselbergs Verlust nochmals um gefühlte 100 Millionen Franken ansteigen: Seine temporären Freunde, sprich Hedge Funds, werden weitere Positionen auf den Markt werfen und die Aktie unter 4 Franken drücken (aktuell: 4.36). Damit ist die PR-Pendelmission, die fast im Wochentakt Schweizer Journalisten nach Moskau schickte, ein Schlag ins Wasser. Freude herrscht hingegen bei seiner Beteiligung im russischen Ölsektor mit der gescholtenen BP: Hier fliessen die Dividenden besser denn je (verkaufen).

Immer tiefer sinken die Aktien von Lonza, und die Abwärtsspirale lässt sich nicht mehr aufhalten. Die Mutation zum Biotechunternehmen lässt auf sich warten. Internationale Grossinvestoren lauern auf den Einstieg, nachdem Schweizer Banken beim Kursstand von 71 Franken stark einkauften und schon dicke Verluste mitschleppen. Der Turnaround ist noch nicht geschafft. Unser Einstiegskurs (aktuell: 66.70) liegt bei 61 Franken.

Der einstige Basler Börsenstürmer Acino ist weit entfernt von seiner Bestform. Die vermeintlichen Kosteneinsparungen mit der Auslagerung eines Teils der Produktion nach Indien sind ein Schlag ins Wasser: Qualitätsprobleme in der Produktion, wie mir Insider berichten (verkaufen).

Keine Freude herrscht auch bei einem weiteren Engagement von Victor Vekselberg: Züblin Immobilien. Der Kursverfall hat sich in den letzten Wochen massiv akzentuiert, und die Käufer machen sich auch auf tieferem Niveau rar (verkaufen).

«L’Euro, c’est moi»: Der Eurokurs wird neuerdings im sprichwörtlichen Sinne aus der Schaltzentrale der Schweizer Nationalbank gesteuert. Seit Donnerstagabend, nachdem der hoch geschätzte Philipp Hildebrand sich zwischenzeitlich vom Euro getrennt hat, werden wieder mit grosser Schaufel Euros eingekauft. Louis XIV., der mit dem Zitat «L’état, c’est moi» bekannt wurde, vertrat eine expansive und kriegerische Aussenpolitik, sodass Frankreich unter seiner Führung eine starke dominierende Stellung in Europa einnahm (aus: Wikipedia). Doch der wilde Einkauf von Euros könnte für die Schweizer Bevölkerung Langzeitfolgen haben, die wir heute noch nicht abschätzen können.

Mit der Ausweitung der Geldmenge wird die Inflation angeheizt. Das hat zur Folge, dass die Hypothekarzinsen massiv ansteigen können. Der Aargauer Angestellte mit 100000 Franken Jahresssalär kann heute seine 900000 Franken teure Wohnung locker finanzieren, steigen die Zinsen aber rapide an, wird dieser Eigenheimtraum zum finanziellen Desaster.

Die Argumentation, dass die Wirtschaft unter dem starken Franken leidet, ist Blödsinn. Mit Absicherungsinstrumenten im Devisenbereich kann der starke Franken mehr als neutralisiert werden. Kostenpunkt dafür: weniger als 1,5% pro Jahr. Kommenden Mittwoch wird sich die Schatztruhe öffnen, dann kennen wir den neuesten Kassenstand im SNB-Land.

Ex-Bundesrat Kaspar Villiger mutiert immer mehr zu einem gleichgeschalteten UBS-Mitarbeiter, wenn er in einem «Cash»-Interview sagt: «Das Image der UBS steht im Missverhältnis zum aktuellen Stand der Bank.» Villiger irrt sich. Denn ein grosser privater Vermögensverwalter aus der Region Zürich rief mich an und gab ein gegenteiliges Beispiel: Wenn bei einem strukturierten Produkt die berühmt-berüchtigte Barriere getroffen wird, erhält der Kunde die Aktie zum ursprünglichen Preis angedient und verliert viel Geld.

Wenn Sie nun aber glauben, dass die UBS-Transaktionsgebühr sich auf den aktuellen, massiv tieferen Kurs bezieht, haben Sie sich geirrt: Die Kommissionsmarge wird auf den Fixierungspreis bezogen. Herr Villiger, würden Sie für ein Occasionsauto mit ramponierter Ausstattung auch den Neuwagenpreis bezahlen?

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Wer die Börsentipps aus dieser Kolumne umsetzt, tut dies auf eigenes Risiko. Der «Sonntag» übernimmt keine Verantwortung. Unser Experte hat sich verpflichtet, in keinem der besprochenen Titel aktiv zu sein.