Die sommerliche Schlittenfahrt für den «grössten reinen Vermögensverwalter der Schweiz», die Julius Bär Bank, hat sich diese Woche nochmals akzentuiert: –14,04%. Auch hier ist Abwarten angesagt, denn die zugrunde liegenden Anlagegelder können sich dem Abwärtssog an den Weltmärkten nicht entziehen.

Rasant nach unten ging es für die Steuerfrau von Panalpina, Monika Ribar Baumann. Mein Kursziel nach unten von 90 Franken, das am 17. Juli 2011 propagiert wurde, ist im Sauseschritt durchschritten worden: 84 Franken. Obwohl der Konzern gut aufgestellt ist, sollte aufgrund des weiterhin hohen Kurs-Gewinn-Verhältnisses kein Einstieg gewagt werden (abwarten).

Die Verkaufsempfehlung vom 17. Juli 2011 für den Stäfener Hörgeräthersteller Sonova sorgte für einen deftigen Kurssturz. Diese Woche musste das Unternehmen einen Verlust von 12,54% an der Schweizer Börse hinnehmen. Weiterhin trennen sich institutionelle Anleger vom überteuerten Titel. Hier gilt die immer noch die Devise verkaufen.

Die Orascom Development Holding verliert weiterhin an Terrain: –9,28%. Die Entwicklerin des Andermatt-Resort wird in Bälde neue Tiefststände sehen, ob-wohl manche Analysten die Talsohle bei 30 Franken gesehen haben. Im Mai 2008 kam das Papier zu 153 Franken an die Börse – heute, 3¼ Jahre später, ist es bei unter 23 Franken angelangt (abwarten).

Schaut man sich den Kursverlauf von Logitech diese Woche an, hat sich die Information bewahrheitet, dass rund 25% des Wertbestandes von Investoren mittels Verkaufspositionen gehalten werden. Der Stand des arg gebeutelten Titels: –13,44%. Mit hohen Rabatten auf gewissen Produktsegmenten hofft man, den Umsatz anzukurbeln. Doch damit sinkt auch die Betriebsmarge. Und so sind die Hoffnungen in weite Ferne gerückt, den bisherigen Kursverlust von über 60% aufzuholen. Der No-go-Status wird weiterhin aufrechterhalten. Gleiches gilt für Kudelski mit einem Wochenverlust von 17%.

Mit Bange sehe ich dem Dollar-Kurs der nächsten Woche entgegen: Die US-Währung wird neuste Tiefststände erreichen. Die vereinbarte Erhöhung der Schuldengrenze ist eine Mogelpackung, welche die Defizite nicht eingrenzen wird. Wenn weiterhin Steuerrabatte für Superreiche gemacht werden, kann nicht von echtem Reformwillen gesprochen werden, sondern von Wahlkampf auf dem Rücken der Mittelschicht (US-Dollar verkaufen).

Nun macht die Börsenkrise auch vor Pensionskassen nicht halt. Der Swiss Market Index verlor fast 20% seit dem 1.Januar 2011. Nun müssen diese Grossinvestoren haufenweise Pakete auf den Markt schmeissen – sonst winkt in gewissen Fällen die Unterdeckung. Damit wird der Sturzflug des SMI nochmals an Tempo zunehmen. Die neuralgische Zielmarke von 5000 Indexpunkten ist in Reichweite gerückt. Dann werden die computergestützten Handelssysteme ein Verkaufs-Feuerwerk zünden, das allen wehtun wird.

Keine nette Post werden diese Woche Hunderte von Kunden der Schweizer Banken erhalten, die kreditfinanzierte Börsengeschäfte getätigt haben. Der einstige Gewinn ist wie ein Kartenhaus zusammengefallen und die Bank verlangt eine nette Nachforderung – sonst werden die Positionen zwangsliquidiert. Und das wäre wirklich unschön.

Seien Sie nicht überrascht, wenn nächste Woche die UBS und die Credit Suisse nochmals unter die Räder kommen. Das Investmentbanking könnte hier zum Spielverderber mutieren. Eines wird nach den letzten Wochen immer klarer: Die Problematik «too big to fail» sollte schnellstens angegangen werden. Liebe Parlamentarier, der Zeithorizont bis 2019 für die Umsetzung ist in der heutigen Situation viel zu weit bemessen. Denken Sie an uns Stimmbürger: Die Börse ist leider keine Einbahnstrasse nach oben.

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Wer die Börsentipps aus dieser Kolumne umsetzt, tut dies auf eigenes Risiko. Der «Sonntag» übernimmt keine Verantwortung. Unser Experte hat sich verpflichtet, in keinem der besprochenen Titel aktiv zu sein.


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