Das Beteiligungsvehikel BB Biotech hat nach meiner erneuten Kaufempfehlung einen kleinen Luftsprung vollzogen. Langfristig ist der Titel eine Erfolgsstory: Um fast 200 Prozent ist er über die letzten fünf Jahre gestiegen. Und offen gesagt, hier ist in den kommenden Wochen noch nicht das letzte Wort gesprochen: Angriff auf das Allzeit-Hoch bei 179.10 Franken. Der innere Wert beträgt mehr als die ausgewiesenen 234.20 Franken (NAV). Hier heisst es kurz und bündig: Strong buy.

> Wohl aufgeschreckt durch meine letztwöchige positive Berichterstattung in Sachen Leonteq wechselte der zuständige UBS-Analyst seine Verkaufsempfehlung mit Kursziel 126 auf neu «neutral» mit Ausrichtung 200 Franken. Momentan haben wir keine Kaufempfehlung ausstehend, da wir eine solche bei 200 Franken hatten, nachdem der Zugewinn im dreistelligen Bereich lag.

> Ich kann es nicht genügend oft betonen: Austriamicrosystems (AMS) ist weiterhin fundamental unterbewertet. Eine Strategie mit gedeckten Calls, vorzugsweise mit Ausübungspreis 34 Franken auf den Dezember 2014, verspricht einen netten Zustupf für die Weihnachtsgans. (Kaufen mit Calls)

> Wir kommen auch diese Woche nicht umhin, über das Tessiner Internet-Reiseportal Bravofly Rumbo zu berichten. Hier ist eine wahre Ice-bucket challenge im Gang: Der Aktienkurs fällt in eiskalte Tiefen. Die Bilanz: –66,78% seit dem Börsengang im April 2014. Im gleichen Zeitraum gewann der Swiss Market Index 6,14% hinzu! Doch die Hiobsbotschaften sind noch nicht vorbei. In der Bilanz des «Tieffliegers» lauern Beteiligungen, die mit einem Goodwill von satten 45,59 Millionen Euro aufgeführt sind. Bedenkt man, dass die Aktie eine gehandelte Marktkapitalisierung von 233 Millionen Franken aufweist, dann sehen Sie die neuen Gefahrenzeichen. Und die «Stützungskäufe», etwa durch die UBS (gemäss IPO-Prospekt) während der Geburtswehen zu rückblickend astronomischen Kursen (über 44 Franken), müssen zwangsläufig zu einem Millionenverlust führen.

> Nimmt man den Branchenkonkurrenten edreams als Vergleichsindex, wie gewünscht von der Investors Relationship Agentur, haben beide die gleich schlechte Börsenbilanz, doch dies ist eine sehr kurzsichtige Betrachtungsweise: Der amerikanische Branchengigant Expedia gewann im gleichen Zeitraum 25,61% hinzu (in Lokalwährung). Weiterhin bleibt die UBS mit einer Kaufempfehlung, notabene bei 36 Franken auf 12 Monate, im Rennen. Nun braucht es schon einen Kurssprung von 128,57%, um dieses ambitiöse Ziel zu erreichen. Doch seit kurzem ist die IST Personalvorsorgestiftung beim Tessiner Tiefflieger mit grossem Einsatz im Spiel: 1,07% des Aktienkapitals wurden in mehreren Teilschritten gekauft. Die IST betreut insgesamt 6 Milliarden Franken an Schweizer Vorsorgegeldern.

Ich verstehe beim besten Willen nicht, dass man sich als Vorsorgestiftung so stark exponiert. Nicht einmal die UBS mit weit über 2200 Milliarden Franken an Kundengeldern und notabene auch noch als IPO Manager hat einen solchen Brocken – nämlich nur 0,23% des Aktienkapitals.

Langsam muss man sich fragen, was hier gespielt wird: Und wie Sie wahrscheinlich wissen, kann die Firma weit über 9% des Aktienkapitals zurückkaufen. Ob sie es wollen oder nicht: Immer mehr Schweizerinnen und Schweizer werden unfreiwillige Aktionäre dieses Konstrukts, und die Alt-Aktionäre erfreuen sich wohl eines guten Grappas und lachen sich krumm ob der dummen Schafe, die sich durch die damals astronomischen Gewinn- und Umsatzschätzungen während der Roadshow in die Irre führen liessen.

Doch wie immer gibt es eine Gerechtigkeit, die bösen Heuschreckenfonds sind laut gut fundierten Gerüchten mit gewagten Konstrukten auf der Verkäuferseite und verdienen sich schon heute eine goldene Nase. Verlierer sind der Schweizer Finanzplatz und wir als (un-)freiwillige Mitbesitzer. Und zu guter Letzt, mein Kursziel von 17 Franken wurde schon am Montag früh unterboten. Nächste Haltestelle: 14.75 Franken.

Unser Experte hat sich verpflichtet, in keinem der besprochenen Titel aktiv zu sein. Wer die Börsentipps aus dieser Kolumne umsetzt, tut dies auf eigenes Risiko. Die «Schweiz am Sonntag» übernimmt keine Verantwortung.
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