> Ziehen Sie den Fallschirm an! Ich erwarte einen stürmischen Herbst an der Schweizer Börse. Die Gründe liegen auf der Hand: der griechische Schuldenpoker, der in die x-te Verlängerung geht, die Erhöhung der amerikanischen Leitzinsen und der chinesische Drache, der nur dank einer milliardenschweren staatlichen Intervention am Röcheln ist.

> Die Genfer Luxusgüterherstellerin Compagnie Financière Richemont steht mit einem Jahresminus von nahezu 20% Prozent zu Buche. Schaut man sich die finanziellen Kennziffern genauer an, gibt es nichts am Unternehmen zu deuteln – einzig, dass sich die Umsätze in der ehemaligen britischen Kronkolonie Hongkong im freien Fall befinden. Und wenn im Hinblick auf die nächsten Quartalszahlen die Gewinnerwartungen zusammengestrichen werden, dann müsste man normalerweise sagen «so what?». Doch das ist der Grund, den Titel nochmals tiefer zu stellen. (Der Sinkflug geht weiter.)

> Noch billiger im Angebot ist der innovative Bieler Uhrenkonzern Swatch: Hier sorgt Nicolas Hayek mit seiner stetigen Medienpräsenz für positive Schwingungen. Doch das Börsenmetronom schlägt nicht nach oben aus: Hier braucht es neues Doping, um den Titel wieder auf die Marke von über 400 Franken zu treiben. Jeder Fluchtversuch nach oben wird durch die möglichen Mitspieler sofort im Keim erstickt. (Der Zug ist abgefahren für Swatch.)

> Nun haben die Börsenhaie in Sachen Glencore zugeschlagen. Aber noch ist nicht aller Tage Abend beim Zuger Rohstoffgiganten. Der Herbst könnte zu einer Schleuderfahrt werden, wenn die chinesische Binnennachfrage kleiner ausfällt als ursprünglich vorhergesagt. Die entsprechenden Call-Optionen für eine allfällige Angsthasenstrategie ermöglichen attraktive Teilabsicherungen. Mit ein bisschen Spielen lässt sich ein reduzierter Einstandspreis von 125 Pence auf den November-2015-Termin konstruieren. Auch sonstige Zauberprodukte schiessen wie Pilze aus dem Boden. Dabei geht es um sogenannte Credit Linked Notes (CLN). Das Spiel ist einfach, aber die Ausgestaltung komplex. Es funktioniert folgendermassen: Gehen während der frei wählbaren Laufzeit von fünf Jahren weder die emittierende Bank noch Glencore Konkurs, dann winkt ein gigantischer Zinscoupon, der bis zu 5% pro Jahr ausmachen kann. Wobei es auf die Ausgangswährung ankommt. Ich würde mit Zuschlagen abwarten, das grosse Fragezeichen heisst China. Und auch die milliardenschweren Staatsinterventionen sind schliesslich nur ein Tropfen auf den heissen Stein. (Glencore, wir kommen später.)

> Der Edelstahlkocher Schmolz & Bickenbach aus Emmenbrücke kommt wirklich nicht vom Fleck: –25,93% seit dem Jahresanfang. Aufgepasst: Das Management macht einen sehr guten Job, aber in diesem Sektor lässt sich beim besten Willen kein Lorbeerkranz holen. Ein wiederholter Ausstieg sollte jetzt Ihre Maxime sein, Und gehebelte Optionsscheine sorgen für richtigen Verdruss. (Wiederholter Verkauf, wir kommen später.)

> Hinter vorgehaltener Hand wird gemunkelt, dass die Bank Julius Bär um einiges weniger tief ins Portemonnaie greifen muss bei der Bussenzahlung für das mit US-Steuersündern betriebene Geschäft. Aus fundamentaler Sicht ist der Titel kostengünstig, aber irgendwie zündet der Boris-Collardi-Turbo im Jahr 2015 nicht mehr wie einst im Mai. Die Ausrichtung des Unternehmens gefällt, doch die Finanzhaie wollen auf diesem tiefen Niveau offensichtlich nicht zubeissen. Ob die Beute noch zu wenig schmackhaft daherkommt? Die Falle haben wir vorsorglich schon aufgestellt, um Ihnen das Kommando zum Zubeissen im richtigen Augenblick zu erteilen. (Abwarten und auf das Startzeichen warten.)

> Die ambitionierte Swiss Life wartet mit einer negativen Jahresbilanz 2015 an der Börse auf: Hier lohnt es sich, erst bei unter 200 Franken ein paar Golddukaten aufzuwerfen. Die Dividendenausschüttung ist einen Steinwurf weiter, bei der Zürich Versicherung, um einiges höher. Ich nehme nicht an, dass man sich schadlos halten kann bei den aktuell abrupten Kursveränderungen an den internationalen Börsenmärkten. Hier gilt es abzuwarten, aber das Unternehmen ist wirklich investmentwürdig. (Kaufen zu einem späteren Zeitpunkt.)

Unser Experte hat sich verpflichtet, in keinem der besprochenen Titel aktiv zu sein. Wer die Börsentipps aus dieser Kolumne umsetzt, tut dies auf eigenes Risiko. Die «Schweiz am Sonntag» übernimmt keine Verantwortung.
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