SPEKULIEREN GEGEN DEUTSCHLAND

Der teuerste UBS-Mitarbeiter ist von der Krise unserer Nachbarländer fasziniert. – Die Zürcher Kantonalbank gibt sich nach aussen sanfter und wettet mit dem «ZKB Soft Runner» gegen ihre Konkurrenz.

VON BORIS FELDMANN

Recht hat der Investmentgeneral von «You&US» Carsten Kengeter, der offiziell teuerste Mitarbeiter der UBS, als er vollmundig erzählte, dass seine arg geschüttelte Investmentbank wieder auf den Erfolgspfad zurückgekehrt ist. Jedenfalls kann auch der normalsterbliche Anleger seit kurzem auf die Zahlungsunfähigkeit von Ländern wie Italien, Frankreich oder Spanien via UBS setzen. Wir nehmen als Beispiel den am 16. März 2010 aufgelegten Warrant(Valor: 11084970), der dem Anleger bei einem Zahlungsausfall der deutschen «Bundesanleihe 6 Prozent 2016» den absoluten Gewinn-Jackpot ermöglicht. Kann Germanien seine Schulden vollständig bedienen, verfällt der Warrant zum Laufzeitende per 20. März 2020 wertlos. Es sei vermerkt, dass nicht nur die UBS solche Produkte anbietet, sondern auch weitere «Big Players».

«Freude herrscht» bei den Hedge Funds, die auf das Währungspaar Euro/Schweiz gesetzt haben. «Im Sauseschritt» fällt der Euro gegenüber dem Schweizer Franken und die Nationalbank (SNB) hält sich mit einer milliardenschweren Intervention bislang zurück. Damit haben sich unsere kühnsten Erwartungen von letzter Woche mehr als erfüllt. Wie der «Sonntag» aus dem Londoner Mayfair-Quartier erfuhr, gehen die aggressivsten Spieler von einem neuen Kursstand von 1.4250Euro aus (aktuell: 1.4406), der die SNB zu einer ersten Intervention verleiten könnte. Der Otto Normalverbraucher sollte sich bewusst sein, dass diese «Heuschrecken» allein in einer Woche schon rund 15 Prozent an dieser Transaktion verdient haben. Ganz einfach: Die Banken stellen diesen Investitionsvehikeln das Zehnfache des eingesetzten Kapitals zur Verfügung.

Somit wird aus einer Kursbewegung von 1,5 Prozent in die richtige Richtung ein satter Gewinn von 15 Prozent.

Im Reigen der Masse an strukturierten Produkten konnte uns nur ein Produkt diese Woche vollends überzeugen: Der «ZKB Soft Runner» (Valor: 11133 483), der mit UBS, CS Group und Julius Bär an den Start geht. Die relativ komfortable Barriere bei 60 Prozent und ein netter
garantierter Coupon von 10 Prozent sollten zum Kauf ausgenützt werden.

«Ich bin auch eine Versicherung», so könnte das wohl atypische Produkt (ISIN: CH0035956694)der CS Group betrachtet werden. Dabei konzentriere sich das Management auf schwerwiegende Ereignisse mit geringer Eintrittswahrscheinlichkeit wie Naturkatastrophen oder Flugunfälle. Da diese Versicherungsrisiken kaum mit wirtschaftlichen Trends zusammenhängen, ist die Performance praktisch unabhängig von den Finanzmärkten, was wir sehr begrüssen. Eine satte Performance von 10,67 Prozent über zwölf Monate steht zu Buche. Einziger Wermutstropfen: Eine jährliche Managementfee von 2 Prozent, gekoppelt mit einer Performancegebühr, ist für diese Innovation gar hoch – aber Qualität hat halt ihren Preis.

Wer erinnert sich nicht an die heisse Zeit der «IPO’s» (Red. Neuemissionen) um die Jahrtausendwende, als die Zuteilung dieser Papiere dadurch bestimmt war, bei welcher Bank der Anleger sein Konto unterhielt und wie viel Moneten sein Konto aufwies. Um dieses Ungleichgewicht auszumerzen, damit wir sozialistische Verhältnisse an der Börse haben und jedermann zum Zuge kommt an dieser Börsenlotterie, wurde mit dem «DJ Stoxx IPO 12 Mo» Abhilfe geschaffen. Dieser Index (ISIN: HV16FX) bildet die Rendite der bedeutendsten europäischen IPOs während der ersten zwölf Monate nach Emission ab. Die Jahresperformance mutet mit 134,13 Prozent sensationell an, hingegen herrscht seit drei Monaten mit einem schlappen Plus von 2,5 Prozent mehr als Ebbe. Wir gehen davon aus, dass mit der Lösung des Griechenlandproblems die Hochstimmung des letzten Jahres wieder zurückkommt (spekulativer Kauf).

United Kingdom: Zero Points, so kann das Immobilienzertifikat der UBS betrachtet werden. In ihrem Produkt GPR Continental Europe (Ex UK) TR Index (WKN: UB1CT1) wird in England kein Rappen investiert, damit wird die Konkurrenz, die in England investiert hat, brutal abgehängt. Eine Jahresrendite von 78,59 Prozent steht zu Buche, auch wenn seit kurzem eher Performancetrübsal angesagt ist. Letzte Zahlen aus Europa geben Hoffnung, dass hier mit der Tiefzinspolitik noch lange nicht Schluss ist und damit die Preise im Immobiliensektor wieder nach oben tendieren (Kauf).

Redaktioneller Hinweis: Die Kolumne gibt die Meinung des Experten wieder. Wer die Börsentipps aus dieser Kolumne umsetzt, tut dies auf eigenes Risiko. Der «Sonntag» übernimmt keine Verantwortung für allfällige Verluste. Unser Experte hat sich verpflichtet, in keinem der besprochenen Titel aktiv zu sein. Boris Feldmann beantwortet alle Leserfragen!

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